"Sex" in queer times: Körper, Praktiken und Identitäten

14. September 2001, 09:01
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Elisabeth Holzleithner über Queer Theory als Unruhestifterin in Theorie und (politischer) Praxis


"This case involves the most basic of questions. When is a man a man, and when is a woman a woman?"
(Littleton v. Prange, Fourth Court of Appeals District of Texas, San Antonio, 27.10.1999)

JedeR von uns hat von Geburt an ein juridisches Geschlecht.
Zumindest durch den Namen auf der Geburtsurkunde. Dass aber sex (biologisches Geschlecht) und gender (soziales Geschlecht) keine Einheit bilden müssen, ist per definitionem klar, und sind sie, wie uns der (nicht nur) heterosexuelle Mainstream wahrmachen will, stabil? Das biologische Geschlecht kann z.B. durch eine Operation verändert werden, ist sozusagen medizinisch herstellbar. Kann und muß Geschlecht denn nun kategorisiert werden, und wenn, mit dem herkömmlichen Mann-Frau-Schema?

Die Queer Bewegung, entstand in den frühen 90ern
...unter Aneignung der eigentlich abwertenden Bezeichnung, um für sich das Les-bi-schwule... Leben neu- und umzudefinieren. Homosexuelles L(i)eben sollte nicht normalisiert werden, sondern die Bewegung um multiethnische, transsexuelle, antirassistische, machtkritische und antisexistische Ansätze erweitert werden. Es ging (und geht!) um einen Versuch einer nicht-diskriminierenden Neubeschreibung und Neuformierung von sexuellen und geschlechtlichen Identitäten, die als kontingent und instabil, da sie permanent hinterfragt werden müssen, wahrgenommen werden. Hervorzuheben ist auch, dass von Anfang an lesbische Theoretikerinnen diese Entwicklungen begleiteten.

Die Hauptthesen der Queer Theory sind (nach Butler):

- Die Konzeption der Zweigeschlechtlichkeit steht im Dienste der heterosexuellen Matrix.

- "Sex" und "Gender" werden als Performativität gefallt, einer ständig wiederholende und zitierende Praxis.

- "Rasse" und "Klasse" müssen dekonstruiert werden.

- Den oben angeführten Kategorien muß der Schleier der Natürlichkeit abgerissen werden um sie zu entlarven

- Differenz/en und die damit verbundenen Machtgefälle müssen analysiert und aufgelöst werden

- Die Kategorie der "Identität" wird als per se ausschließend und normalisierend kritisiert, vielmehr sollte sie ein Ort der dauernden politischen Auseinandersetzung sein.

Der ganze Artikel unter: FAKULTAET

(e_mu)

Junges Forum Rechtsphilosophie

Christie Lee Littleton

Literaturhinweise:
Theresa de Lauretis
"Queer Theory: Lesbian and Gay Sexualities. An Introduction" (1991)

Judith Butler
"Gender Trouble. Feminism and the Subversion of Identity" (dt.1991)
"Bodies That Matter. On the Discursive Limits of Sex" (dt.1995)

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