Neue Palästinenser- Taktik: Frauen als Selbstmord- Attentäterinnen

29. März 2002, 16:01
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Vom Nahen Osten bis Sri Lanka und in der PKK keine Seltenheit

Berlin - In einem Jerusalemer Einkaufszentrum hat sich am Freitag eine junge Palästinenserin von 16 Jahren in die Luft gesprengt und Menschen mit in den Tod gerissen. Es war der bisher zweite Selbstmordanschlag einer Frau im Nahost-Konflikt. Ende Jänner hatte die Palästinenserin Wafa Idris in Jerusalem einen an ihrem Körper versteckten Sprengsatz gezündet und dabei einen Mann getötet und Dutzende Menschen zum Teil schwer verletzt. Die radikale Hamas-Organisation erklärte damals, Frauen hätten das gleiche Recht wie Männer, gegen Israel zu kämpfen.

Die Entsendung von Frauen auf Selbstmordmissionen stellt eine Neuerung in der Taktik radikaler palästinensischer Gruppen dar. Nach Angaben der israelischen Polizei wurden Frauen jedoch bereits früher als Komplizinnen in palästinensischen Selbstmordanschlägen eingesetzt. Britischen Presseberichten zufolge veröffentlichte der arabische Hohe Islamische Rat im August 2001 ein Rechtsgutachten, das Palästinenserinnen zu Selbstmordmissionen ermutigen soll.

In anderen Teilen der Welt werden Frauen bereits seit Jahren von Terrororganisationen für Suizidmissionen eingesetzt. Die Gruppen machen sich dabei zu Nutze, dass Frauen gegenüber Sicherheitskräften weniger Verdacht erwecken.

Besonders die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE), die seit 30 Jahren für einen von Sri Lanka unabhängigen Tamilenstaat kämpfen, setzten in der Vergangenheit auf Frauen bei Selbstmordattacken. Bei rund 40 Prozent der insgesamt mehr als 170 bisherigen LTTE-Suizidmissionen zündeten Frauen den Sprengsatz. Im Mai 1991 wurde der damalige indische Premierminister Rajiv Gandhi bei einer Wahlkampfveranstaltung von einer Frau namens Dhanu in die Luft gesprengt, die sich eine Bombe um den Bauch gebunden hatte. Damit täuschte sie eine Schwangerschaft vor, um harmloser zu wirken.

Als die Kurdische Arbeiterpartei (PKK) 1996 nach dem Vorbild der radikalen Palästinenserorganisation Hamas mit Selbstmordanschlägen begann, gingen fast ausschließlich Frauen auf die Missionen. Sie verübten Anschläge auf Polizeistationen und andere staatliche und militärische Einrichtungen vorwiegend in den südosttürkischen Städten Tunceli, Adana und Sivas. Dabei kamen die Attentäterinnen ums Leben, mehr als 50 Menschen wurden verletzt. (APA)

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