Früher Frühling: Beweis für Klimaerwärmung oder nicht?

29. März 2002, 20:53
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Wissenschafter sind sich sicher: "Wir brauchen nicht mehr 30 bis 40 Jahre zu warten"

Hannover - Die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die Pflanzen- und Tierwelt machen sich nach Expertenansicht schon heute bemerkbar. "Der Frühling und damit die Vegetationszeit für viele Pflanzen beginnt zum Beispiel früher", sagte Gian-Reto Walther vom Institut für Geobotanik der Universität Hannover.

In einem Überblick, der nun in "Nature" veröffentlicht wurde, zeigt ein Team von Wissenschaftern verschiedene Szenarien auf: "Wir brauchen nicht mehr 30 bis 40 Jahre zu warten, um Konsequenzen der Klimaerwärmung festzustellen."

"Pflanzen blühen im Frühjahr früher und behalten ihr Laub im Herbst länger"

Innerhalb der vergangenen 100 Jahre habe sich das Klima der Erde um rund 0,6 Grad Celsius erwärmt. "Wir haben jetzt Indizien, dass diese Erwärmung bereits viele Organismen in den verschiedensten Regionen der Erde beeinflusst hat", sagt Walther. "Pflanzen blühen im Frühjahr früher und behalten ihr Laub im Herbst länger." Auch Tiere hätten sich diesem neuen Rhythmus bereits angepasst. "Laichzeiten der Frösche und Kröten verschieben sich, Zugvögel kommen früher aus ihren Wintereinstandsgebieten zurück oder fliegen gar nicht mehr weg."

Bisherige geographische Arealgrenzen für bestimmte Tier- und Pflanzenarten würden verschoben. "Schmetterlinge wandern in den Norden und in höher gelegene Gebiete, in den Alpen wachsen immer mehr Pflanzen in höheren Lagen", sagt Walther. Während sich in der Antarktis neue Pflanzenarten etablieren können, sterben in den Tropen Korallenriffe ab. "Die längerfristigen Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt sind noch nicht absehbar", sagt der Wissenschafter.

Anpassung unterschiedlich schnell - mit Folgen

So können zum Beispiel Nahrungsketten durcheinander gebracht werden. "Wenn Raupen infolge der wärmeren Frühjahrstemperaturen früher schlüpfen, die Bäume aber nicht im gleichen Ausmaße früher austreiben, fehlt den Insektenlarven die Nahrungsgrundlage", sagte der Ökologe. Tatsache sei jedoch, dass die Menschen in diesem Jahrhundert die Ökosysteme stärker beeinflussen als je zuvor, sei dies direkt durch Umformung der Lebensräume oder indirekt, wie zum Beispiel durch die Klimaerwärmung der letzten dreißig Jahre. (APA/dpa)

Vgl. "Nature", (Bd. 416, S. 389)

Institut für Geobotanik
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