Vor 20 Jahren starb Fatty George

28. März 2002, 09:50
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Der österreichische "Satchmo" hinterließ mehr als seinen Namen im Traditional Jazz Europas

Wien - Er war schwerwiegend in jeder Hinsicht: Körperlich sowieso war Fatty George auch über Jahrzehnte einer der Eckpfeiler der Wiener Musikszene. In Sachen Traditional Jazz war der Klarinettist, der eigentlich Franz Georg Preßler hieß, stets eine der ersten Adressen in Europa. Der große "Satchmo", Louis Armstrong, soll über Fattys Musik einmal so etwas Ähnliches wie "Wonderful, wonderful" gesagt haben. Am Freitag (29. April) jährt sich zum 20. Mal der Todestag des legendären Musikers.

Geboren wurde Franz Georg Preßler am 24. April 1927 in Wien. Er studierte am Konservatorium und an der Musikakademie in der Bundeshauptstadt. Mit 18 Jahren, unmittelbar nach dem Krieg, begann er seine Leidenschaft für den amerikanischen Sound zu pflegen und trat zunächst in russischen, dann in US-Soldatenclubs auf. 1947 startete Fatty George ein Zwischenspiel in Deutschland.

Neben seinem Ruf, zu den besten Jazzklarinettisten Europas zu gehören, machte sich der Wiener auch als Gründer von Jazzclubs einen Namen. Nach seiner Rückkehr aus Deutschland eröffnete er im Jahr 1952 zunächst in Innsbruck "Fatty's Jazz Casino", ab 1955 lebte er wieder in Wien, von wo aus er Tourneen durch Mitteleuropa unternahm. 1958 eröffnete er am Petersplatz in der Bundeshauptstadt "Fatty's Saloon" - damals Europas größtes Jazzlokal.

Jazzland

Bis 1963 spielte dort - natürlich - Fatty samt Band, immer wieder gab es aber auch Sessions mit Kalibern wie Lionel Hampton, Ella Fitzgerald, Art Blakey und John Lewis. 1964 musste George den Club erstmals zusperren, auch später konnte er den kontinuierlichen Betrieb nur phasenweise aufrechterhalten. In den siebziger Jahren spielte der Klarinettist in seinem neugegründeten Lokal Jazzland bei der Ruprechtskirche. Am 29. März 1982 starb er 54jährig nach langer schwerer Krankheit.

Fatty George verdankte seinen Ruhm dem Swing, er zelebrierte technisch vollendet die Tradition des Jazz. Daneben pflegte er aber auch Ausflüge in modernere Spielarten, unter anderem mit Hans Koller, Friedrich Gulda und Joe Zawinul.

Der Klarinettist empfand Zeit seines Lebens eine tiefe Verbundenheit zwischen Jazz und dem Wienerlied. Ein Musical, "Walzer in Moll", blieb unvollendet. Warum er die amerikanischen Klänge der Musik seiner Geburtsstadt vorzog - dieses Geheimnis hat Fatty George für sich behalten. Für den europäischen Jazz war er jedenfalls ein unschätzbarer Gewinn. (APA)

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