DJ Ötzi gegen Kardinal Schönborn

26. März 2002, 21:20
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Protest und Reform: Wie in Rom der Dialog gestoppt wurde - Kirche handelt wie die Politik: 500.000 Unterschriften ignoriert

Die Bildung wichtiger Protest-und Reformgruppen in der katholischen Kirche Österreichs zwischen 1986 und 1995 ist Rom zu verdanken. Ebenso wie deren Ignorierung.

Kaum hatte der Papst in Wien, Salzburg, Feldkirch und St. Pölten neue Diözesanbischöfe ernannt, mit denen mehr oder minder große Teile des Kirchenvolks nicht einverstanden waren, schossen in den besagten Gebieten Vereinigungen aus dem Boden, die unter Namen wie "Kirche ist Gemeinschaft", "Kirche sind wir alle", "Weg der Hoffnung" oder "Forum XXIII" (in Anspielung auf Papst Johannes XXIII.) prominente Laien, aber auch Priester versammelten und lautstark für Veränderungen in der Kirche eintraten. Dazu gab es eine Vorgeschichte.

Vom Tübinger Theologen Hans Küng, dem Rom im Dezember 1979 die Lehrbefugnis entzogen hat, stammt der Satz: "Seitdem in Sachen Geburtenregelung die falschen Entscheidungen gefallen sind, haben wir die Krise in der Kirche." Richtig ist, dass das Jahr 1968, in dem Papst Paul VI. in der Enzyklika "Humanae vitae" der künstlichen Empfängnisverhütung eine Absage erteilte, für die Kirche eine Zäsur bedeutete, zumal im gleichen Jahr alle dem Establishment zugerechneten Institutionen, Normen und Autoritäten infrage gestellt wurden. Die "Maria Troster Erklärung" der damaligen Österreichischen Bischofskonferenz, in der die Art der Empfängnisverhütung dem Gewissen der Eheleute überlassen wurde, milderte freilich das Unbehagen vieler Gläubiger.

Doch die Kirche Österreichs sollte nicht in Maria Trost bleiben. Papst Johannes Paul II., ein entschiedener Gegner kontrazeptiver Maßnahmen, ernannte für Österreich bewusst Bischöfe, die seine rigorose Haltung in dieser Frage unterstützten. Die neuen Gruppen, deren Forderungen bald über die Mitsprache der Ortskirche bei Bischofsernennungen weit hinausgingen, wuchsen. Auch kleinere Medien, auf der Reformerseite vor allem "Kirche Intern" (heute "Kirche In"), auf der rechten Hardlinerseite "Der 13." wurden gegründet und griffen in den Kirchenkonflikt ein.

Nach dem Ausbrechen der Affäre Groër im Frühjahr 1995 - dem damaligen Wiener Erzbischof wurden sexuelle Verfehlungen gegenüber Jugendlichen im Hollabrunner Knabenseminar vorgeworfen - initiierte der Tiroler Religionslehrer Thomas Plankensteiner das Kirchenvolks-Begehren: Für eine Reihe von Reformwünschen, die bis zum Weiheamt für Frauen gingen, wurden in ganz Österreich über 500.000 Unterschriften - die meisten davon von Katholikinnen und Katholiken - gesammelt. Die Aktion strahlte auch in andere Länder aus, ein internationales Netzwerk der Kirchenreformgruppen entstand. In Österreich wurde die Plattform "Wir sind Kirche" gegründet, um das Anliegen des Kirchenvolks-Begehrens weiterzuführen. Thomas Plankensteiner ließ sich von Hubert Feichtlbauer ablösen, der bald der Tirolerin Ingrid Thurner Platz machen wird.

Die Bischöfe riefen schließlich unter dem Vorsitz des Grazer Diözesanbischofs Johann Weber den "Dialog für Österreich" aus, der im Oktober 1998 in einer Delegiertenversammlung in Salzburg seinen Höhepunkt finden sollte. Dort fanden in Abwesenheit des erkrankten neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, die Reformwünsche sensationell klare Mehrheiten, obwohl das Gremium fast durchwegs aus engen Vertrauensleuten der Bischöfe bestand. Doch die Bischöfe fanden sich sehr schnell damit ab, dass Rom offensichtlich keinerlei weitere Vefolgung bestimmter Reformvorhaben dulden wollte. Insbesondere eine Weihe von Frauen, aber auch von bewährten verheirateten Männern zu Priestern steht derzeit nicht zur Diskussion. Ziemlich einhellig wird in Kirchenkreisen die Meinung vertreten, dass hier frühestens unter dem nächsten Papst etwas in Bewegung kommen könnte. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 27. 3. 2002)

Früher einmal habe die klassisch einfache Festlichkeit eine hohe Attraktivität gehabt. Für Minderheiten auch heute noch. Mit Feierlichkeit punktet man zum Beispiel im Kloster Heiligenkreuz. Aber wie spielt sich das in der Mediengesellschaft ab? In der Eventkultur? Was ist Kardinal Schönborn gegen DJ Ötzi, fragt ein Bischofsberater im Gespräch mit Serienautor Heiner Boberski.
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