Härter als zuletzt

29. März 2002, 23:22
posten

Salzburger "Residenzmesse für Kunst und Antiquitäten"

Die Gangart ist eine andere, härter als noch vor fünf Jahren. Nicht nur bei Messen, aber derzeit. Ja, die Vernissage der "Residenz Messe für Kunst und Antiquitäten" war gut besucht. Stop-and-go in den erzbischöflichen Räumlichkeiten. Ein Publikumsmagnet der ein internationales Völkchen namens Festspielgäste lockt. Denn an Heimische wird wenig verkauft.

Das erste Salzburg-Wochenende lief für die 42 Händler recht zögerlich an. Trotz musealer Highlights des 18. und 19. Jahrhunderts blieben Artefacte dieser Zeit mehr be wundert als verkauft. Ein in seiner Qualität seltenes Waldmüller-Gemälde als Blickfang im Ante Camera, wo das Wiener Händlerduo Giese & Schweiger residiert. Dort gab man bereits Thomas Enders Dolomitenbild oder Carl Molls Sonniger Wintertag ab. Ein herrlicher Buchenwald bei Rekawinkel von Hugo Darnaut wartet noch bei Erich Tromayer, Robert Russ' Toscolano am Gardasee harrt bei Michael Kovacek potentieller Interessenten.

Ein paar Schritte weiter bietet Christian Scheed (D&S) Uhrmacher- und Tischlerkunst feinster Qualität. Aber Möbel des Barock und Biedermeier "sind derzeit schwer absetzbar", weiß Ernst Popp vom Kunsthaus Wiesinger zu berichten; "Blue Chips haben langfristig die besseren Karten", umreißt der ehemalige Banker das Zukunftsszenario. Sowohl die Ware als auch die Qualität des Händlers betreffend. Kollege Patrick Kovacs - von einem Sammler als "Alpha-Händler" bezeichnet - vermeldete bereits am Dienstag "Ausverkauft!". Das Herrenzimmer des Architekten Hubert Gangl (22.500 Euro) nach Übersee und zwei Hoffmann-Fauteuils nach Zürich. Tony Subal, spezialisiert auf Möbel des Art Deco, gab den signierten Salonschrank von Majorelle nach Griechenland ab und freut sich über das Interesse am Barmöbel von Ettore Sottsass - Vater des zeitgenössischen italienischen Objekt-Designers - von 1936.

Das Publikum sei hier internationaler als bei der herbstlichen Hofburg-Messe, merkt die erstmals vertretene Galerie Rauhenstein an. Im Angebot der Art-Deco-Schmuck-Spezialisten hält man etwa einen französischen Kleiderclip mit Brillianten und Diamanten im Baguetteschliff (13.800 Euro) bereit.

Kunst des 20. Jahrhunderts steht beim Publikum im Mittelpunkt des Interesses. Bei Wienerroither & Kohlbacher ist sie Programm, wobei der eine oder andere Lockvogel zwitschert. Prominenz, in personam Reinhold Messner, versank hier genauso wie viele Besucher in der Betrachtung des Walde-Großformats Grub-Schanze bei Kitzbuehl (330.000 ); für Max Oppenheimers lang verschollenes Roséquartett sind die beiden Wiener Händler noch in Verhandlungen.

Verhaltene Stimmung bei den Ausstellern im Karabinierisaal. Heimspieler Thomas Salis inszeniert Leo Putz, Marc Chagall oder Pablo Picasso. Kollege Richard Nagy (London) zeigt neben zahlreichen Schiele-Blättern auch ein Aquarell: Otto Dix' Brindisi von 1921 für 280.000 US-Dollar.

Und wie das so mit der neuen Währung läuft? Ganz gut mit Kunden aus Italien und Deutschland, weniger bei den Österreichern. Da sind alte Richtwerte gefragt. Die Schilling-Preise im Kopf, den Eurosold in der Hosentasche, lautet das Motto. Im nächsten Jahr wird man sich daran gewöhnt haben, wenn vom 12. bis 21. April 2003 die nächste Residenz an die Salzach lockt.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30./31.3. / 1.4. 2002)

Von
Olga Kronsteiner

Share if you care.