Andersen-Eklat: Tanz mit dem Reißwolf - Clemens Rosenkranz

24. März 2002, 20:59
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Nach der Einleitung des Strafverfahrens gegen die Wirtschaftsprüfer von Arthur Andersen sucht die geschockte Auditoren-Branche das Vertrauen in den ins Gerede gekommenen Berufsstand wiederherzustellen. Das Motto zur Schadensbegrenzung: Prüft die Prüfer. Ob das reicht, um Sorgen zu zerstreuen, dass Prüfer ihre Fehler und Versäumnisse wie bei Enron wieder einmal durch den Reißwolf ungeschehen machen könnten, ist fraglich. Denn wer einmal lügt, dem glaubt man bekanntlich nicht, auch wenn er die Wahrheit spricht.

Unter den Folgen des Skandals leidet nicht nur die Zunft der Wirtschaftsprüfer, die derzeit damit beschäftigt ist, dem angeschlagenen Rivalen die wichtigsten und lukrativsten Klienten abspenstig zu machen. Auch die Unternehmen kommen in die Bredouille: Firmen, die sich in Geschäftsfelder hineinwagen, deren Risiken weder abschätz- noch versicherbar sind, könnten künftig ohne Wirtschaftsprüfer dastehen.

Und damit auch ohne Investoren: Denn nicht einmal Anleger, für die ein hohes Risiko geradezu ein Ansporn ist, werden sich bei einer Firma engagieren, die keine von Prüfern abgesegnete Bilanz vorlegen kann. In letzter Konsequenz müssten die Börsenaufsichtsbehörden ein solches Unternehmen vom Zugang zum Kapitalmarkt ausschließen oder vom Parkett verweisen.

Allerdings könnte der Andersen-Eklat einen kräftigen Transparenzschub auslösen und Konzerne dazu bringen, verschachtelte und undurchsichtige Finanzstrukturen aufzubrechen. Das wäre zumindest eine gute Nachricht für Investoren, die vom Platzen der New-Economy-Blase geschädigt wurden. Wäre diese nicht rechtzeitig geplatzt, müssten sich Prüfer und Aufsichtsbehörden noch viel mehr unangenehme Fragen gefallen lassen. Besonders jene nach dem Reißwolf. (Der Standard, Printausgabe, 25.03.02)

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