Philosoph Glucksmann über den "Haiderismus"

25. März 2002, 11:16
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"Das Einzige, was Europa tun kann ist zu warten, bis Österreich versteht"

Leipzig - Anlässlich der Bildung der FPÖ-ÖVP-Regierung hatte vor zwei Jahren der französische Philosoph Andre Glucksmann von drei Möglichkeiten gesprochen: Entweder entledige sich Österreich des "Haiderismus", Europa entledige sich des "haiderisierten" Österreich oder Europa löse sich auf. Zwar ist bis jetzt keine der drei Varianten eingetreten, doch bleibt Glucksmann in einem Gespräch mit der APA am Rande der heute zu Ende gehenden Leipziger Buchmesse bei seinen Vorwürfen: "Man hat es doch gesehen in der Auseinandersetzung mit Tschechien: Da hat Haider wieder die Türe zugemacht zu Europa".

Das Einzige, was Europa tun könne, sei, zu warten, "bis Österreich versteht". Er glaube nicht, dass die Österreicher Faschisten seien, räumt der 65-jährige Philosoph ein, "sie haben nur keine Idee vom Faschismus und von seinem Risiko". Das sei in Deutschland anders, wo man im Westteil jahrzehntelang gelernt habe, was die eigene Verantwortung sei.

"Tschechien oder Österreich"

Wenn am Ende Österreich die Frage stelle "Tschechien oder wir in der EU", müsse man sich letztlich für Tschechien entscheiden, so Glucksmann, "obwohl es mir sehr peinlich ist, dass Österreich nicht europäisch denkt und sich dann aus der EU schmeißt". Er würde dasselbe auch zu französischen Bauern sagen, die sich gegen einen EU-Beitritt Polens stellen: "Man muss ein wenig offen sein", fordert der französische Philosoph. Auf die Frage, warum seiner Meinung nach Jörg Haider zu Saddam Hussein gefahren sei, antwortete Glucksmann: "Die ziehen sich irgendwie an. Auch (Jean-Marie) Le Pen steht auf der Seite von Saddam." Slobodan Milosevic sei Kommunist gewesen und habe sich gut mit Faschisten verstanden. Das nenne man rot-braun. "So ist Haider mehr braun und Saddam kommt aus dem kommunistischen Milieu. Gleich und gleich gesellt sich gern." (APA)

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