Vorwürfe gegen in Singapur inhaftierte Deutsche ausgeweitet

22. März 2002, 19:29
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Studentin droht wegen Drogenhandels und Konsum Todesstrafe

Singapur - Die in Singapur wegen Drogenhandels von der Todesstrafe bedrohte deutsche Studentin ist am Freitag eines weiteren Rauschgiftdelikts beschuldigt worden.

Die 23-jährige Studentin soll auch selbst Drogen konsumiert haben. Sie brach in Tränen aus, als ihr Vater und ein Vertreter der deutschen Botschaft rund 20 Minuten nach Beginn der Anhörung in den Saal traten. Eine Freilassung auf Kaution lehnte das Gericht ab.

Ketamine

Die Studentin soll nach Angaben der Justiz Ketamine konsumiert haben, eine Art Betäubungsmittel, das zunehmend in Nachtclubs zu finden ist. Dies habe ein Urintest ergeben. Bisher wurde der Deutschen nur Drogenhandel vorgeworfen, was aber im Falle eines Schuldspruchs den Gesetzen zufolge mit dem Tod bestraft wird.

Die Studentin soll bis zu ihrem Prozess in das Frauengefängnis Changi verlegt werden. Ein Datum für die Hauptverhandlung ist noch nicht bekannt, eine weitere Anhörung wurde für den 28. März angesetzt. Die deutsche Frau war vor gut einer Woche festgenommen worden.

Viel hänge von der Klassifizierung des Rauschgifts ab

Der Rechtsanwalt Rainer Endriß erklärte im ZDF-"Morgenmagazin", viel hänge von der Klassifizierung des Rauschgifts ab. Je geringer der Wirkstoffgehalt sei, desto wahrscheinlicher sei es, dass die Todesstrafe nicht angewendet werde. Auch der Vorwurf, dass sie selbst Drogen konsumiert habe, könne sich positiv auswirken. "Es besteht die Möglichkeit, die Menge, die gefunden wurde, als 'Bevorratungsmenge' zu klassifizieren. Damit wäre sie im Sinne des Gesetzes kein 'Dealer' mehr", erklärte der Anwalt. "Wie das Gericht entscheidet, kann keiner sagen", fügte er hinzu.

Mitangeklagte

Bei der Anhörung am Freitag wurde auch eine 22-jährige Singapurerin als mutmaßliche Komplizin der Deutschen beschuldigt. Neben der Studentin stehen bereits zwei 21 und 33 Jahre alte Männer aus Singapur vor Gericht. Sie sollen Bars und Nachtclubs von einem kleinen Geschäft aus mit Drogen beliefert haben.

Bei einer Razzia in dem Geschäft wurden 687 Gramm Cannabis, 60 Ecstasy-Tabletten, 30 Gramm eines Anästhetikums und 34 Gramm eines Metamphetamins beschlagnahmt, wie das Zentrale Rauschmittelamt erklärte. Sollte eine Laboruntersuchung ergeben, dass der Anteil reinen Rauschgifts über 500 Gramm liegt, gilt der Tatbestand des Drogenhandels als erfüllt.

Singapur hat eine der weltweit niedrigsten Raten von Drogenmissbrauch. Der Stadtstaat ist bekannt für seine strengen Antidrogengesetze.(APA)

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