Staatshilfe bewahrte Holzmann nicht vor der Pleite

22. März 2002, 14:06
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Knapp zweieinhalb Jahre nach der vermeintlichen Rettung scheint der Holzmann-Konzern am Ende

Frankfurt - Vielleicht leben ja Teile des Unternehmens weiter und ein Teil der rund 23.000 Beschäftigten bleibt in Lohn und Brot. Fest steht, das 1849 gegründete Traditionsunternehmen Philip Holzmann ist insolvent. Verheerendes, über viele Jahre andauerndes Missmanagement, die Dauerkrise in der Baubranche und nicht zuletzt ein von vielen als unwürdig empfundenes Schwarzer-Peter-Spiel der Kreditgeber habem dem Koloss den Rest gegeben.

Anfang vom Ende

Der Beginn des Niedergangs liegt an die 15 Jahre zurück, als der damalige Vorstandsvorsitzende Lothar Meyer einen groß angelegten Umbau der Firma in Gang setzte. Aus dem reinen Bauunternehmen sollte etwas Umfassenderes und in der Vorstellung der Konzernführung wohl auch Feineres werden, nämlich ein "Full-Service-Dienstleister" im Baugeschäft, international, versteht sich. Doch gestaltete sich die Neuaufstellung des Unternehmens schwieriger als erwartet: Der Einstieg in das so genannte Betreibergeschäft war kostspielig, erste Arbeitsplätze wurden gestrichen.

Als Meyer 1997 seinen Platz für Heinrich Binder freimachte, hinterließ er seinem Nachfolger 3,2 Milliarden Mark (1,64 Milliarden Euro) Schulden. Doch schien dies verkraftbar. Der neue Konzernchef verwies auf positive Ergebnisse und fantastische Auftragseingänge und verkündete im Oktober 1999: "Die Gesundung des Unternehmens schreitet rasant voran."

Nackenschlag

Doch nur wenige Wochen später erfolgte für die "Holzmänner" der Nackenschlag, von dem sie sich bis heute nicht erholt haben: Am 15. November 1999 gibt die Philipp Holzmann AG aus heiterem Himmel eine Überschuldung "aus bisher unentdeckten Altlasten" in Höhe von 2,4 Milliarden Mark bekannt. Die Gründe für die akute Schieflage des Unternehmens könnten teilweise Kolportageromanen entnommen sein, zum anderen Teil lagen sie in wissentlichen oder unwissentlichen Defiziten der innerhalb und außerhalb des Unternehmens tätigen Wirtschaftsprüfer.

Ob ein 16-Millionen-Mark-Golfplatz im brandenburgischen Motzen oder ein Hochbau-Projekt in München über 60 Millionen Mark - Verantwortliche der mittleren Führungsebene handelten vieldutzendfach auf eigene Faust und manchmal sogar gegen den ausdrücklichen Willen des Vorstandes. Risiken wurden fahrlässig oder absichtlich übergangen, so manche Million wanderte in private Taschen. Die renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young sprach konsterniert "von einem gänzlich unprofessionell handelnden Konzern".

Nachforschungen

In der Folge forschten Frankfurter Staatsanwälte nach Untreue, Betrug und Bilanzfälschung, Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes ermittelten, die Konzernführung ging zivilrechtlich gegen die eigenen Ex-Manager vor. Vernichtend urteilte das "Manager-Magazin" im Jänner 2000: "Fast jeder der Akteure hat sich in der mehrteiligen Baustellenaffäre besudelt und Schaden genommen - schlimmstenfalls an fachlichem Renommee, an der Berufsehre allemal."

Die Bilanz war niederschmetternd. Die Schuldenlast betrug annähernd 4,5 Milliarden Mark (2,3 Mrd. Euro), das Eigenkapital war bedrohlich geschrumpft, 30.000 Arbeitsplätze standen zur Disposition. Es war aber auch die Stunde Gerhard Schröders. Der Bundeskanzler, damals im Meinungstief, aber auch zutiefst besorgt um die Holzmann-Beschäftigten, führte Gespräche mit Bankvertretern, stellte Bundesbürgschaften zur Verfügung, und mit den Worten "Liebe Freunde, wir haben es geschafft" erwies er sich am 26. November 1999 als scheinbarer Retter.

Milliardenschulden

Heute, knapp zweieinhalb Jahre später, hat der Konzern immer noch Milliarden-Schulden, fast kein Eigenkapital mehr, 6.000 Beschäftigte weniger und Verluste von 240 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Die Banken streiten sich, die Bundesregierung hält sich kühl bedeckt. Wie auch immer eine Lösung aussehen mag - der Verlust von tausenden Arbeitsplätzen galt am Donnerstag in Frankfurt als sicher. Und die vielen protestierenden "Holzmänner", die vom Hauptbahnhof zum Bankenviertel marschierten, konnten sich der Sympathie der Bürger sicher sein. Sie haben keine Schuld an dem Desaster. (APA)

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