Simbabwe: Südafrikas Mbeki berät sich mit Mugabe

18. März 2002, 19:50
posten

Staatschefs führen angesichts aufflammender Gewalt Krisengespräch - Gewerkschaften rufen Generalstreik aus

Harare - Vor dem Hintergrund wieder aufflammender Gewalt gegen weiße Farmer in Simbabwe ist Südafrikas Präsident Thabo Mbeki zu einem Krisengespräch mit seinem Amtskollegen Robert Mugabe nach Harare gekommen. Gemeinsam mit dem nigerianischen Staatspräsidenten Olusegun Obasanjo erörterten sie am Montag nach Angaben von Diplomaten mögliche Auswege aus der Krise in dem südafrikanischen Land. In die Gespräche war auch Oppositionschef Morgan Tsvangirai eingebunden, der bei der umstrittenen Wahl gegen Mugabe unterlegen war. Angaben zu den Gesprächsinhalten gab es zunächst nicht.

Mbeki und Obasanjo formen gemeinsam mit dem australischen Premierminister John Howard die so genannte Commonwealth-Troika. Sie soll am Dienstag in London über eine Reaktion auf die von Manipulationsvorwürfen überschattete Wiederwahl Mugabes entscheiden. Mit Ausnahme mehrerer afrikanischer Staaten und Organisationen war die Wahl weltweit auf Ablehnung und Kritik gestoßen. Im Lande selber hat nur kurz nach der Amtseinführung Mugabes die Gewalt gegen Andersdenkende und weiße Farmer zugenommen.

Am Montagmorgen wurde nördlich der Hauptstadt Harare die Leiche eines weißen Farmers in einem Zaun entdeckt. Das Opfer hatte nach Angaben des Landwirte-Verbandes in höchster Not versucht, mit seinem Auto durch den Zaun zu brechen, der aber nicht nachgab. "Er wurde aus dem Auto gezerrt, geschlagen und danach gegen einen Baum gelehnt, wo ihm in den Kopf geschossen wurde", erklärte ein Verbandssprecher. Der Farmer ist das zehnte Mordopfer unter den weißen Landwirten, seit Anhänger des gerade für weitere sechs Jahre eingeschworenen Präsidenten Robert Mugabe im Februar 2000 mit der Besetzung von Land in weißem Besitz begannen.

Gewerkschaften rufen Generalstreik aus

Die einflussreichen simbabwischen Gewerkschaften haben unterdessen zu einem dreitägigen Generalstreik aufgerufen. Damit solle gegen die Bedrohungen der Arbeiter nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl protestiert werden, sagte der Generalsekretär des Gewerkschaftsbunds, Wellington Chibebe, am Montag in Harare. Die Menschen sollten zuhause bleiben. "Eine Genehmigung der Polizei erwarten wir nicht", fügte Chibebe hinzu. Ein neues Sicherheitsgesetz in Simbabwe schreibt für jede Veranstaltung mit politischem Hintergrund eine polizeiliche Genehmigung vor.

Die Gewerkschaften unterstützen Oppositionsführer Morgan Tsvangirai, selbst früherer Gewerkschaftsführer. Den Sieg von Amtsinhaber Robert Mugabe erkennt er mit Verweis auf Gewalt und Unregelmäßigkeiten nicht an. Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki und sein nigerianischer Kollege Olusegun Obasanjo riefen Mugabe und Tsvangirai am Montag zur Zusammenarbeit auf. Sie wollten anschließend mit dem australischen Premierminister John Howard in London über mögliche Sanktionen des Commonwealth gegen Simbabwe beraten. Die Staatengemeinschaft hatte die Wahl als "unfrei" kritisiert. (APA/dpa)

Share if you care.