Globalisierungskritiker fordern in Monterrey Schuldenerlass

15. März 2002, 17:09
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Alternatives Entwicklungsforum eröffnet

Monterrey - Gruppen von Globalisierungsgegnern haben zum Auftakt eines alternativen Entwicklungsforums in der nordmexikanischen Stadt Monterrey einen umfangreichen Schuldenerlass für die Entwicklungsländer gefordert. Sprecher hoben am Donnerstagabend (Ortszeit) hervor, dass die Länder des Südens in den 90er Jahren mehr Zinsen bezahlt als sie jemals an Kapital aufgenommen hätten. Trotzdem sei ihre Schuldenlast in einem Jahrzehnt von 1,4 auf 2,4 Billionen Dollar (2,7 Billionen Euro) gestiegen.

In Monterrey kommen nächste Woche rund 50 Staats- und Regierungschefs und rund 300 Minister zur internationalen UNO- Konferenz für Entwicklungsfinanzierung zusammen. Die beim Gegenforum vertretenen, überwiegend antikapitalistisch eingestellten Gruppen aus 30 Ländern wollen alternative Strategien zur Überwindung von Armut und Unterentwicklung in der Dritten Welt aufzeigen, die sich von den Leitlinien des so genannten Monterrey-Konsenses unterscheiden. Der Monterrey-Konsens soll von den Konferenzteilnehmern nächste Woche ohne Änderungen angenommen werden.

Neue Weltwirtschaftordnung

Die mexikanische Frauenrechtlerin Laura Frade, die das alternative Forum eröffnete, forderte eine neue Weltwirtschaftordnung, in deren Mittelpunkt der Mensch stehen müsse. Frade bezeichnete das gegenwärtige System der Weltwirtschaft wörtlich als "Anarcho- Diktatur" des Marktes, die keine gleichmäßige Verteilung des Reichtums ermögliche.

Die Globalisierungsgegner hatten in den vergangenen Tagen und Wochen kritisiert, dass ihre Vorstellungen aus der Endfassung des Monterrey-Konsenses herausgefallen seien. Jener überbetone die Rolle der Privatwirtschaft bei der Entwicklungsfinanzierung, weise den Entwicklungsländern eine zu große Mitschuld an ihrer Unterentwicklung zu und sei bei der Forderungen an die Industrieländer, ihre staatliche Entwicklungshilfe zu erhöhen, nicht verbindlich genug. Die Globalisierungskritiker sollen auch bei den Diskussionsveranstaltungen während der eigentlichen UN-Konferenz zu Wort kommen. Sie haben außerdem Demonstrationen angekündigt. (APA/dpa)

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    Der Eingang zum Tagungszentrum in Monterrey

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