Kulturpolitik ist, was hinter den Kulissen gemauschelt wird

15. März 2002, 04:18
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Filmmuseum-Sanierung in der sanierten Albertina ist nicht in Sicht

Wien - Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder hat beste Kontakte zu Bundesministerin Elisabeth Gehrer, was ihm in Sachen Sanierung seines Hauses nicht zu Schaden gereicht, offenbar wohl aber Mit-Hauptmietern wie dem Filmmuseum. Derzeit besteht eine kunstpolitisch absurde, bautechnisch geradezu groteske Situation: 18.000 m² Albertina werden piekfein totalsaniert, 370 m² Filmmuseum, mitten in der Baustelle gelegen, bleiben ausgespart.

Kontaktaufnahmeversuche mit Gehrer seitens Filmmuseum-Chef Alexander Horwath scheiterten, bis heute kam kein Termin mit der Ministerin zustande, wohl aber gezielte Querschüsse aus ihrer Richtung, zuletzt vergangenen Mittwoch während des Kulturausschusses:

Die Anfrage der Grünen und der SP, was Gehrer mit den maroden Filmmuseum-Räumlichkeiten anzustellen gedenke, wurde mit der Bemerkung vom Tisch gefegt, man hätte dem Verein Ausweichquartiere angeboten, wenn aber keine Bereitschaft zur Veränderung bestehe, könne man halt nichts machen.

Horwaths Bereitschaft, sich von Schröder schlucken zu lassen, ist tatsächlich gegen null gehend, genauso wenig sieht man Veranlassung, den über vier Jahrzehnte vorzüglich eingeführten Standort zu räumen. Horwath: "Wir sind mit dem Ort hier hoch zufrieden, abgesehen davon gab es nie ein konkretes Ausweichangebot. Hier geht es rein um die bauliche Sanierung von etwa 900.000 Euro, die infrastrukturelle Adaptierung müssten wir ohnehin über Sponsoren selbst aufstellen."

Das Filmmuseum wird von Schröders Bauaktionen rundum selbstverständlich in Mitleidenschaft gezogen. Auch Hans Hollein, der die Fassade vor den Räumen neu gestaltet, meint: "Es wäre sicher das Vernünftigste, diese Räume jetzt mitzusanieren, doch das liegt außerhalb meiner Befugnis." Auch Schröder, so Hollein, müsse allerdings "größtes Interesse" haben, die Angelegenheit jetzt und nicht in Zukunft anzugehen, denn "auch er würde sich sicher nicht über eine neue Baustelle in zwei Jahren freuen".

Unterstützung kommt auch von Filmmuseum-Vorstand Peter Huemer: "Das Österreichische Filmmuseum hat sich seit den 60er-Jahren unschätzbare Verdienste für das Entstehen einer Film- und Kinokultur in Wien erworben. Das ist deswegen gelungen, weil es unabhängig war und ist. Mittlerweile ist das Filmmuseum eine Institution, und ich hielte das Ende der Selbstständigkeit für einen schweren kulturellen Verlust."

Eine Auffrischung der seit vierzig Jahren unveränderten, ausgesprochen beengten Räumlichkeiten ist allein hinsichtlich der vorgestrigen Elektrifizierung unerlässlich. Wenn sich Schröder also auf die Brandgefahr durch alte Verkabelungen in dem ihm zustehenden Prachttrakt beruft, so ist es bautechnisch geradezu fahrlässig, 370 ebenfalls verkabelte Quadratmeter aus dem mit etwa 72 Millionen Euro veranschlagten Gesamtvorhaben auszusparen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 3. 2002)

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