"Sans Papiers" in Austria

12. März 2002, 19:18
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Schweizer Erfahrungen mit der Saisonnier-Regelung - ein Kommentar von Monika Bachhofer

Nachdem heimische Regierungen lange Jahre auf die Schweiz und deren wirtschaftliche Entwicklung als Vorbild geschielt haben, wäre der VP-FP-Riege so ein Blick heute besonders dringend zu empfehlen: Dort läuft nämlich bereits jenes Szenario, das Österreich künftig blüht, wenn die neue Saisonier-Regelung so wie angekündigt kommt.

Bereits seit Jahrzehnten holen sich die Eidgenossen Abertausende billige ausländische Arbeitskräfte beziehungsweise Saisoniers ins Land, die bei guter Konjunktur fleißig schaffe, schaffe dürfen, um bei schlechtem Wind sofort verabschiedet zu werden. Wer sich so nicht abservieren ließ, blieb ohne Aufenthalts- und Arbeitspapiere und tauchte als U-Boot in den Schwarzarbeitsmarkt ab. Schätzungen sprechen derzeit von mehr als 100.000 Illegalen. Und sie werden nicht nur immer mehr, viele von ihnen werden auch immer lauter.

Als "Sans Papiers"-Bewegung organisiert, besetzen sie seit einigen Monaten Kulturzentren und Kirchen - getragen von einer breiten Sympathiewelle in der Öffentlichkeit unter Unterstützung von Gewerkschaften und Kirchenvertretern. Bezeichnend dabei: Besonders viele "Papierlose" finden sich in der Westschweiz, wo Wirtschaftszweige mit einem hohen Anteil an unqualifiziertem Personal eine besonders große Rolle spielen - Landwirtschaft und Gastgewerbe.

In den heimischen Hotels und Wirtshäusern werken bereits jetzt 15.000 Illegale, sagt Helmut Peter, seines Zeichens Luxushotelier, was ihn in Bezug auf die Verbreitung überzogener Horrormeldungen unverdächtig macht. Vielleicht ist es aber genau das, was FP-Klubobmann Peter Westenthaler will. Je mehr ausländische Illegale im Land, desto leichter lässt sich der nächste ausländerfeindliche Wahlkampf führen. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 13.3.2002)

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