Deutsch für viele Ausländer selbstredend

12. März 2002, 15:54
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Land Oberösterreich will Wohnbeihilfe für alle öffnen

Linz- Drei von vier Ausländern wollen ihre Deutschkenntnisse verbessern, belegt eine Umfrage der Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich bei Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten. Als Antwort auf das Integrationspaket der Regierung habe die AK von den Betroffenen hören wollen, was sie sich unter Integration vorstellen. 45.600 Fragebögen wurden verschickt, mehr als 5000 Ausländer füllten sie aus - jeder achte auf Deutsch. Zwei Drittel antworteten in Serbisch-Kroatisch, ein Fünftel in Türkisch.

Wichtigstes Ergebnis für AK-Präsident Hubert Wipplinger: Den Zwang, einen Deutschkurs zu besuchen, halte er für "völligen Unsinn", da die Bereitschaft, die Sprache zu lernen ohnehin gegeben sei. Als Problem sehe er vielmehr, dass schon jetzt die Nachfrage das Angebot übersteige.

Die Kurse in Linz am Berufsförderungsinstitut und der VHS seien beispielsweise überfüllt, in ländlichen Regionen hingegen werden kaum Kurse angeboten, erklärt Ana Martincevic, Vorsitzende des AK-Integrationsausschusses. Jetzt hätten die Ausländer vor allem eine Sorge: Was passiert mir, wenn ich keinen Deutschkurs besuchen kann, weil in meiner Umgebung keiner angeboten wird? Laut den von ÖVP und FPÖ präsentierten Plänen müssen Ausländer mit einer Strafe rechnen, wenn sie keinen Kurs absolvieren.

Sprachkenntnisse sind für die Betroffenen nur ein (kleiner) Schritt auf dem Weg zur Integration. An erster Stelle stehe für 65 Prozent der Befragten "die Gleichstellung bei Wohnungen". Speziell geht es ihnen um die Wohnbeihilfe. Arbeitnehmer unabhängig ihrer Staatszugehörigkeit zahlen Wohnbauförderungsbeiträge, mit denen jene Beihilfe finanziert wird. Anspruch auf dieses Geld haben in Oberösterreich jedoch nur EU-Bürger.

Vorbild Tirol

Eine Regelung, die nun SP-Wohnbaulandesrat Erich Haider zu ändern gedenkt: "Ich bin fest entschlossen." In Wien, der Steiermark, Salzburg, Vorarlberg und Tirol können Nicht-EU-Bürger bereits diese Beihilfe für eine geförderte Mietwohnung erhalten. Vor allem das Tiroler Modell findet bei Haider und dem Regierungspartner VP Gefallen. Wer seit fünf Jahren seinen Hauptwohnsitz in Tirol hat, kann die Landesunterstützung beanspruchen.

Diese Richtlinie stellt der Wohnbaulandesrat für Oberösterreich in Aussicht, jedoch mit einer Verschärfung: Ausländer müssen eine Arbeitsplatzbestätigung vorweisen, damit gesichert sei, dass sie schon Beiträge in den entsprechenden Fördertopf einbezahlt haben: Fünf Jahre leben und eben arbeiten in Oberösterreich, so die Voraussetzung für Ausländer in einem neuen Wohnbauförderungsgesetz, das noch in diesem Jahr verabschiedet werden soll. (ker, Der Standard, Printausgabe, 12.03.02)

Arbeiterkammer Oberösterreich
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