Neubeginn mit Altlasten

12. März 2002, 08:35
posten

Vorsitzende der Gleichbehandlungs-
kommission setzt auf Bewusstmachen der Benachteiligung - Chance zur Gleichberechtigung

Wien - Männer will sie für das Recht der Frauen auf Gleichbehandlung sensibilisieren und die Frauen dazu bringen, an einem Strang zu ziehen: Die neue Vorsitzende der Gleichbehandlungskommission, Alice Brunner-Karrer, seit 1. Februar in dieser Funktion, setzt gezielt auf Bewusstmachung, um die nach wie vor bestehende Diskriminierung von Frauen zu beenden. Als erste konkrete Tat will sie eine Homepage als Anlaufstelle bieten.

Kein Parteimitglied

Die 39-jährige Kärntner Juristin, die seit 1997 für die FPÖ im Klagenfurter Gemeinderat sitzt, gehörte ab September 2000 dem Kabinett der damaligen Sozialministerin Elisabeth Sickl an. Seit Anfang 2002 als Vertragsbedienstete im Sozialministerium tätig, wurde sie nunmehr für den Kommissionsvorsitz freigestellt. Um sämtlichen Angriffen Vorschub zu leisten betonte sie, dass sie zwar auf einem "gewählten FPÖ-Mandat im Gemeinderat sitze", sie sei aber kein Parteimitglied. "In der Kommission geht es um die Sache an sich und nicht um Verpolitisierung", meinte Karrer-Brunner.

Altlasten

35 alte und somit offene Fälle habe sie von ihrer Vorgängerin, Petra Smutny, übernommen. Da sie sich ihrer Tätigkeit aber hauptamtlich widmen könne, sei sie "guter Dinge", die Verfahrensdauer künftig verkürzen zu können. Brunner-Karrer peilt ein 14-tägiges Zusammentreffen der Kommission an.

Schwerpunkte ihrer Arbeit im Kampf gegen Ungleichbehandlung

Neben der Installierung einer eigenen Homepage, um Hilfesuchenden eine bessere und klarere Anlaufstelle zu bieten, sprach sich die Juristin für eine Form des Kündigungsschutzes der Beschwerde führenden Frauen aus, eine Art "Auszeit", zwei Monate erschienen ihr angemessen. Die Verhandlungen darüber mit den entsprechenden Stellen müssten aber erst aufgenommen werden.

In erster Linie setzt Brunner-Karrer auf Vermittlung und Mediation. Im Falle des Hauptbeschwerdepunktes, der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz, sei für sie die "Glaubhaftmachung" ein wichtiger Schritt.

Bewusstseinsänderung

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit sollte eine Selbstverständlichkeit sein, so Karrer-Brunner, man werde "alle Mittel ausschöpfen müssen". In puncto Karrierechancen könne sie der Quotenregelung einiges abgewinnen, meint aber, man müsse "an der Wurzel ansetzen". Die Benachteiligung von Frauen könne letztlich nur durch Bewusstseinsänderung gestoppt werden. Bis 2003 sollen die EU-Richtlinien in Sachen Gleichbehandlung umgesetzt werden, wie das auf nationaler Ebene ausschaue, sei noch offen. Man müsse mit den Sozialpartnern verhandeln, "damit das auch getragen wird".

Die viel kritisierte Männerabteilung ist für sie kein Problem. Sie unterstütze die Idee des Gender Mainstreaming, also die Berücksichtigung von Gleichbehandlungsaspekten auf allen Ebenen. In diesem Sinne müsse man auch geschlechtsspezifische Bereiche herausarbeiten und Grundlagenforschung betreiben.

Streitbare Bestellung

Ihre Vorgängerin, Smutny, hatte mit 30. Juni des Vorjahres ihren Vorsitz zurückgelegt, seither blieb die Stelle verweist, was zu heftiger Kritik geführt hatte. Kritisiert wurde allerdings auch die Bestellung von Karrer-Brunner durch Sozialminister Herbert Haupt (F), hatte er doch im Vorfeld ein Anhörungsverfahren versprochen. Die Bestellung sei rechtlich gedeckt, sie hätte sich aber selbstverständlich einem Hearing gestellt: "Wenn ich nicht für den Job qualifiziert wäre, hätte ich ihn nicht angenommen", so die Juristin. In neun Jahren in der Privatwirtschaft, auch in der Funktion der Betriebsrätin, habe sie viele Erfahrungen gesammelt.
(APA)

Share if you care.