"Jetzt wird es eng!"

11. März 2002, 19:33
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"Die Dame mit dem Nasenring hat die Nase vorn im Moment ..." - Die Sport-Kommentatoren sind um Worte nicht verlegen, die nur gemeine Kritiker als Phrasen bezeichnen - 11. März 2002

"Die Dame mit dem Nasenring hat die Nase vorn im Moment . . . Die Dame mit dem Raubtierhelm: Hoffentlich ist sie auch im 2. Durchgang bissig genug." Am Sonntag wurde wieder einmal deutlich, warum Übertragungen von Schirennen einmalig sind. Schade, dass es die letzten in diesem Winter waren.

Die Kommentatoren (nicht nur die des ORF) sind um Worte nicht verlegen, die nur gemeine Kritiker als Phrasen bezeichnen. Wir aber wollen hier festhalten: Das ist Poesie. Sie wird nur dann nicht mehr spürbar, wenn Lokalhelden gewinnen könnten, wenn also Emotionen die Dichter irrtieren: Als Benjamin Raich am Sonntag den 2. Durchgang des Riesentorlaufs nach Bestzeit im ersten Lauf vermurkste, bettelte einer der ORF-Kommentatoren: "Keinen Fehler mehr!" Und der andere schrie: "Jetzt wird es eng!" So eine Fehlleistung kann gerade noch als Faktendarstellung durchgehen. Nächstes Mal bitte mehr Sorgfalt.

Zum Glück kommt jetzt die Fußballsaison. Es sind noch viele Sätze aus vergangenen Jahren in Erinnerung, die hoffentlich wieder verwendet werden. Sehr beliebt war immer: "Der Ball kommt mit viel Effet." Und: "Der Raumgewinn dieser Aktion ist nicht nachvollziehbar." Oder so ähnlich. Wir freuen uns auch auf: "Er ist klein und quirlig!" oder "Obwohl er klein ist: ein hervorragender Kopfballspieler." Sätze wie "Das war knapp an der Torstange vorbei" sind schon fast wieder zu faktenreich - ähnlich wie "Jetzt wird es eng!" Ausrutscher wird es wohl auch im Fußballsommer geben. (pi/DER STANDARD; Print-Ausgabe, 11. März 2002)

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