UNO und Irak loben konstruktive Atmosphäre nach erstem Gespräch

7. März 2002, 21:22
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Wiederaufnahme der Verhandlung über Rückkehr der Waffeninspektoren

New York - Die erste Gesprächsrunde zwischen UNO-Generalsekretär Kofi Annan und dem Irak nach mehr als einjähriger Unterbrechung hat positiv begonnen. Der irakische Außenminister Nadji Sabri lobte die "konstruktive Atmosphäre" der zweistündigen Unterredung am Hauptsitz der Vereinten Nationen am Donnerstag in New York. UNO-Sprecher Fred Eckhard sprach von einem "guten Start". Beide Seiten wollten nach einer Mittagspause, in der sich Sabri auch mit seiner Regierung in Bagdad abstimmen konnte, zu einer zweiten Gesprächsrunde zusammenkommen.

Weder Vertreter der Vereinten Nationen noch der irakischen Delegation äußerten sich zu Einzelheiten oder über den Inhalt des Gesprächs. Annan kündigte an, er werde erst den UNO-Sicherheitsrat unterrichten, bevor er öffentlich Auskunft über das Treffen gebe. Bei dem Treffen war auch der Chef der UNO-Waffeninspektoren, Hans Blix, anwesend. Eine zweite Gesprächsrunde ist für 7. April vereinbart.

"Gewisse Flexibilität"

Kurz vor dem Gespräch mit Sabri hatte sich Annan hoffnungsvoll gezeigt, dass der neue irakische Außenminister "eine gewisse Flexibilität" in der Diskussion über eine Wiederaufnahme der Waffeninspektionen im Irak zeigen werde. "Ich hoffe, wir werden einen konstruktiven Weg finden, die Inspektionen aufzunehmen, so dass wir ein Licht am Ende des Tunnels sehen", sagte Annan. Er habe von Regierungen, die Bagdad nahe stehen, entsprechende Signale bekommen.

Obwohl Bagdad einen Zusammenhang bestreitet, gehen westliche Diplomaten davon aus, dass die Drohung der USA mit einem Militärschlag Bagdad dazu bewegt hat, Kontakt zu der UNO zu suchen. "Sie sind verrückt vor Angst", meinte der frühere Leiter der UNO-Abrüstungskommission (UNSCOM) im Irak, Richard Butler.

Annan bekräftigte, dass eine Ausweitung des Konflikts in der Region unbedingt vermieden werden müsse. "Ich denke, wir haben mit der Tragödie, die sich dort jetzt schon abspielt, alle Hände voll zu tun", sagte er. Deshalb bevorzuge er, Bagdad auf diplomatischem Weg zum Nachgeben zu bewegen.

Das US-Außenministerium erklärte unterdessen, der Irak habe Hilfslieferungen aus dem Programm Öl-für-Lebensmittel für militärische Ziele zweckentfremdet. Dem Sanktionenkomitee des Sicherheitsrats legten US-Vertreter am Mittwoch Satellitenfotos und andere Aufnahmen vor, die Lastwagen als Zugmaschinen für schwere Artillerie oder als Raketenwerfer umgebaut zeigten. Raketen waren auf den Bildern nicht zu sehen.

Der Irak hält sich unterdessen für einen Angriff der USA bereitet. "Wir haben alle nötigen Vorbereitungen getroffen", sagte der stellvertretende Ministerpräsident Tarek Aziz. "Diese Aggression könnte es geben. Andere Nationen angreifen zu wollen, ist der Gipfel des amerikanischen Imperialismus."

Der engste Verbündete der USA, Großbritanniens Premierminister Tony Blair, schrieb am Mittwoch in der Zeitung "Daily Express", Saddam dürfe die Entschlossenheit nicht unterschätzen, mit der die internationale Gemeinschaft die Entwicklung und den Einsatz von Massenvernichtungswaffen durch den Irak verhindern werde. (APA/dpa/AP)

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