Israelische Großoffensive in Bethlehem, Tulkarem, Gaza und Ramalah

7. März 2002, 09:24
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Sharon lässt Angriffe trotz Powells Kritik fortsetzen - Annan: Konflikt völlig außer Kontrolle

Jerusalem/Washington - Israel hat in der Nacht zum Donnerstag mit Raketen Ziele im Gazastreifen und Bethlehem beschossen und die Stadt Tulkarem im Westjordanland besetzt. Zudem feuerte ein Kampfhubschrauber eine Rakete auf den Amtssitz des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat in Ramallah, als dieser mit dem EU- Gesandten Miguel Angel Moratinos konferierte.

Powell fordert Sharon auf - Politik zu überdenken

Beide blieben nach Angaben von Augenzeugen unverletzt. US- Außenminister Colin Powell forderte den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon auf, seine Politik der eisernen Faust zu überdenken. Powell forderte angesichts der täglichen Gewalt mit zahlreichen Toten und Verletzten auf beiden Seiten Sharon auf, "seine Politik einer harten Prüfung zu unterziehen". Einen eindringlichen Appell richtete auch UNO-Generalsekretär Kofi Annan an beide Seiten.

Beschuss auf Kontrollposten bei Gaza

Beim Beschuss der Schnellboote auf einen palästinensischen Kontrollposten bei Gaza und wurden Donnerstag Früh 13 Polizisten verletzt, teilten palästinensische Sicherheitsbeamte mit. Zugleich startete die israelische Armee einen Großangriff auf die autonome Stadt Tulkarem im Nordwesten des Westjordanlands. Bei einem Hubschrauberangriff wurden dort mindestens ein Palästinenser getötet und drei weitere verletzt.

Mit 50 Panzer in Tulkarem eingezogen

Nach Angaben palästinensischer Sicherheitsvertreter drangen israelische Infanterieeinheiten mit rund 50 Panzern und gepanzerten Truppentransportern nach Tulkarem ein. Gleichzeitig zogen sie einen Ring um das benachbarte Flüchtlingslager Nur el Chams. Unterstützt wurde ihr Vormarsch aus der Luft von mehreren Kampfhubschraubern. Die Bevölkerung leistete zunächst keinen Widerstand, hieß es. Die israelischen Streitkräfte äußerten sich bisher nicht dazu.

Angriffe auf Bethlehem - Sicherheitseinrichtungen im Visier

Die israelische Armee hat am am Donnerstagmorgen die palästinensische Stadt Bethlehem mit Raketen angegriffen. Augenzeugen berichteten weiter, die Angriffe hätten Sicherheitszielen gegolten.

Mindestens vier Raketen seien im Zentrum der Stadt in ein Gebäude eingeschlagen, in dem ein Hauptquartier und medizinische Einrichtungen der Sicherheitskräfte untergebracht seien, sagten die Augenzeugen. Auch benachbarte Gebäude seien beschädigt worden. Es gab zunächst keine Angaben zu Opfern.

Raketen auf Ramallah

Wie schon in der Nacht zuvor hatte die Armee zuvor mehrere Ziele in den Palästinensergebieten angegriffen. Unter anderem feuerten sie in Ramallah Raketen auf ein Gebäude des palästinensischen Geheimdienstes, das direkt an den Amtssitz von Palästinenserpräsident Arafat grenzt. Zum Zeitpunkt des Angriffs empfing Arafat gerade eine EU-Delegation unter Leitung des Nahost-Beauftragten Moratinos, verletzt wurde jedoch niemand.

Annan: Konflikt völlig außer Kontrolle

Einen eindringlichen Appell richtete auch UNO-Generalsekretär Kofi Annan an beide Seiten. Er nahm Arafat und Sharon in die Pflicht, die Gewalt zu beenden und an den Verhandlungstisch zurückzukehren, wie UNO-Sprecher Fred Eckhard mitteilte. "Die Geschichte wird streng über Sie urteilen, und Ihre Völker werden Ihnen nicht verzeihen, wenn Sie damit scheitern", sagte Annan. Er sei entsetzt über die zunehmende Zahl von Todesopfern und über die zunehmend aggressive Rhetorik beider Seiten. "Die Situation ist eindeutig außer Kontrolle und die Gefahren sind groß." (APA/AP)

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