Schwerkranke Britin kämpft um Sterberecht

6. März 2002, 21:53
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Gerichtsverfahren findet am Krankenbett statt

London - Eine etwa 40 Jahre alte Britin, die nach einer Querschnittslähmung nur noch mit einem Beatmungsgerät am Leben gehalten wird, hat einen ungewöhnlichen Kampf um ihr "Recht auf Sterben" begonnen.

Berufung auf Europäische Menschenrechtskonvention

Ein Richter des High Court (Oberstes Zivilgericht), Anwälte und Sachverständige versammelten sich am Mittwoch zur Eröffnung eines Verfahrens am Krankenbett der Patientin in einer Londoner Klinik. Sie trug dort unter Berufung auf die Europäische Menschenrechtskonvention ihre Gründe dafür vor, dass die Ärzte ihr Beatmungsgerät abstellen sollen.

Besserungschance von "weniger als einem Prozent"

Die unverheiratete und kinderlose Frau, die nach medizinischer Auskunft eine Besserungschance von "weniger als einem Prozent" hat, wird die anschließenden Verhandlungen vor dem High Court über eine Video-Verbindung verfolgen. Nach ihrer Ansicht hat sie auf Grund der Artikel 3 und 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention das Recht, die Abschaltung des Beatmungsgeräts zu fordern. Die beiden Artikel garantieren den Respekt von Privat- und Familienleben und den Schutz vor "entwürdigender Behandlung".

Nach den Worten ihres Anwaltes Richard Stein handelt es sich in dem bisher in Großbritannien einmaligen Fall nicht um ein Euthanasiebegehren. Seine Mandantin verlange von den Ärzten nicht, ihr Leben zu beenden, sondern habe "im vollen Besitz ihrer geistigen Kräfte entschieden, dass sie mit den jetzigen Einschränkungen nicht weiter leben will", sagte er dem "Guardian" (Mittwochausgabe). Die Gerichtsverhandlung ist auf drei Tage angesetzt. (APA)

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