Fron und Freiheit - Von Monika Bachhofer

4. März 2002, 18:50
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Ein Beispiel von vielen: Beim heimischen Ableger des niederländischen Elektro- und Elektronikkonzerns Philips arbeiten 250 Leute bereits drei Tage in der Woche ganz regulär zwölf Stunden pro Tag.

Happy sind damit alle: die Techniker, die sich über eine kurze Woche freuen können, und der Arbeitgeber, der keine Überstunden zahlen muss, weil die 36-Stunden-Jobs unter der vorgegebenen Normarbeitszeit liegen. Erarbeitet haben dieses Modell Arbeitnehmer und -geber gemeinsam. Personalberater machen zudem einen fortgesetzten Trend zur Flexibilisierung in Form von immer mehr Teilzeitjobs aus. Und in faktisch allen Dienstleistungssparten wird täglich bereits mehr als acht Stunden gejobbt. Im Gastgewerbe etwa sind zwölf Stunden kellnern durchaus drin. Allen gemeinsam ist: Die Vielzahl der von der Norm - maximal zehn Stunden täglich und 48 Stunden pro Woche - abweichenden Arbeitszeitformen ist völlig legal, weil kollektivvertraglich geregelt und abgesegnet.

Nun will Wirtschaftsminister Martin Bartenstein den Zwölf-Stunden-Arbeitstag gesetzlich verankern und auch alle Arbeitnehmer ausdehnen. Auf Wunsch der Industrie und unabhängig von KV-Regelungen. Geht es nach der ÖVP, sollen solche Vereinbarungen lediglich auf betrieblicher Ebene und in Vier-Augen-Vereinbarungen zwischen Chef und Dienstnehmer geschlossen werden können. Bartenstein gibt vor, damit eine gesetzliche Grauzone ausblenden zu wollen.

Was nicht dazugesagt wird: Damit würde Österreich völlig aus der EU-Reihe ausbrechen. Denn in faktisch allen Mitgliedsländern gelten Modelle, die äußerst bekannt anmuten: Normalarbeitszeit acht, maximal zehn Stunden und viele, viele Ausnahmen - wie in Österreich. (DER STANDARD, Printausgabe 5.3.2002)

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