In vier Tagen die Strahlen-Jahresdosis

4. März 2002, 12:50
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Uranmülldeponie in Südböhmen untersucht

Salzburg/Linz - Am Freitag hatte die oberösterreichische "Plattform gegen Atomgefahren" eine Klage gegen Temelín-Betreiber CEZ und die amerikanische Zulieferfirma Westinghouse nach dem Atomhaftungsgesetz eingereicht. Der Kampf gegen das AKW und die innenpolitische Auseinandersetzung um Tschechiens EU-Beitritt hat andere Gefahrenquellen an Österreichs Grenzen aber etwas aus dem öffentlichen Bewusstsein gedrängt.

Eine dieser atomaren Zeitbomben stellt die südböhmische Uranmülldeponie Mydlovary dar. Vertreter der Salzburger "Plattform gegen Atomgefahren" konnten vergangene Woche erstmals offizielle Messungen an der knapp 300 Hektar großen Deponie durchführen.

Die mit dem Salzburger Biophysiker Franz Daschil durchgeführte Untersuchung brachte erschreckende Ergebnisse: "Die Strahlungen sind so hoch, dass jeder, der sich dort vier Tage lang aufhält, der höchstzulässigen Dosis für ein Jahr ausgesetzt ist", so der Physiker. Trotzdem werde neben der Deponie gejagt; auch Kinder würden in dem verstrahlten Gebiet spielen. Nach ersten Schätzungen würde die Sanierung und Rekultivierung der im Staatsbesitz befindlichen Uranmüllhalde einige Milliarden Euro kosten. Dies wäre aus Sicht der "Plattform" für Tschechien nur mit EU-Mitteln möglich.

Die Uranschlammdeponie ist ein Relikt der ehemaligen Uranaufbereitungsanlage Mydlovary. Hier wurden von 1962 bis 1991 etwa 17 Millionen Tonnen Uranerz aufbereitet. In der Deponie lagern circa 36 Millionen Tonnen radioaktive Uranschlämme, die etwa 17 Millionen Kubikmeter Wasser binden. (neu, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4. 3. 2002)

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