Entwürdigende Leibesvisitation in Weißrussland

3. März 2002, 17:07
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Oppositionspolitikerinnen mussten sich an der Grenze ausziehen

Minsk - Zwei weißrussische Oppositionspolitikerinnen haben sich bei der Ausreise nach Litauen bei einer Leibesvisitation ausziehen müssen. Sie reisten mit acht männlichen Politikern in einem Kleinbus der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mit Diplomaten-Kennzeichen, teilte der Leiter der Gruppe, Anatoli Lebedko, am Samstag mit. "Das war eine entwürdigende Prozedur für sie", sagte er. "Es gab keinerlei Begründung." Die Leibesvisitation sei am Freitag von Zollbeamtinnen am Übergang Grodno durchgeführt worden.

Die Gruppe, die auf dem Weg zu einem Kongress nach Litauen war, bat die OSZE in Minsk um Hilfe. Als OSZE-Mitglieder in Grodno eintrafen, mussten sich auch die Männer durchsuchen lassen, sich aber nicht wie die Frauen ausziehen. Lebedko sagte, einen derartigen Vorfall habe er noch nie erlebt. Die BeamtInnen hätten erklärt, sie seien vom Leiter der Zollstation und der Obersten Zollbehörde zu diesem Vorgehen angehalten worden.

Lebedko vermutete, mit der schikanösen Behandlung wolle die Regierung des autokratischen Präsidenten Alexander Lukaschenko erreichen, dass OppositionspolitikerInnen von Reisen ins Ausland Abstand nehmen. "Bisher hat die Führung noch nicht Auslandsreisen verboten, aber es werden Pläne ausgearbeitet." Die Konferenz in Litauen wurde um einen Tag verschoben, um der weißrussischen Delegation die Teilnahme von Beginn an zu ermöglichen. (APA/AP)

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