Arzneimittel hilft gegen Impotenz nach Prostata-Entfernung

3. März 2002, 10:42
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Gute Ergebnisse mit Vardenafil

Birmingham - Aussicht auf bessere Möglichkeiten der Impotenz bei Männern nach der chirurgisch erfolgten Entfernung der Prostata: In einer klinischen Studie zur Therapie der erektilen Dysfunktion (ED) bei Männern, die sich einer nervenschonenden radikalen Prostatektomie (operative Entfernung der Vorsteherdrüse) unterzogen hatten, verbesserte die vom deutschen Pharmakonzern Bayer entwickelte Substanz Vardenafil statistisch signifikant die erektile Funktion. Bei Gabe von 20 Milligramm kam es bei 71 Prozent zu verbesserten Erektionen.

Die neuen Ergebnisse, die vor wenigen Tagen auf dem 17. Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) vorgestellt wurden, sind laut einer Aussendung des deutschen Konzerns vor allem von Bedeutung, da mindestens ein Drittel der Patienten mit einem Prostata-Karzinom, bei denen eine nervenschonende radikale Prostatektomie vorgenommen wurde, unter Impotenz leiden.

Bisher nur beschränkte Möglichkeiten

Die International Association of Cancer Registries (IARC) geht davon aus, dass im Jahr 2000 weltweit 550.000 neue Fälle von Prostatakrebs aufgetreten sind. Für die Betroffenen, denen die Prostata - selbst unter den schonendsten Techniken - entfernt werden musste, gab es bisher nur beschränkte Behandlungsmöglichkeiten, wenn nach dem Eingriff Impotenz auftrat.

"Männer, bei denen eine radikale Prostatektomie durchgeführt wurde, weisen im Allgemeinen eine sehr schwerwiegende ED auf", erklärte Dr. Gerald Brock, Urologe von St. Joseph's Health Care in Ontario (Kanada).

Die Studie

Die nach den rigorosesten Kriterien durchgeführte Studie sollte die Wirkung von Vardenafil auf die erektile Funktion im Vergleich mit Placebo (Scheinmedikament) bei Männern klären. Die große Mehrheit der an der Studie teilnehmenden Männer (70 Prozent) wies eine schwere erektile Dysfunktionauf.

Nach einer vierwöchigen Baseline-Phase wurden 444 Männer per Zufall einer zwölfwöchigen Terapie mit zehn Milligramm Vardenafil, 20 Milligramm oder einem Scheinmedikament zugeteilt.

Das Ergebnis: Über die Hälfte mit erfolgreicher Penetration

Die Patienten berichteten generell von guten Effekten. Insgesamt berichtete fast die Hälfte der Männer über eine erfolgreiche Penetration. Das war nur 22 Prozent der Männer möglich, die nur das Scheinmedikament erhalten hatten. Im Vergleich zur Placebogruppe vervierfachte sich die Fähigkeit zur Aufrechterhaltung einer Erektion bei den mit dem echten Medikament Behandelten. 65 Prozent der Patienten, die 20 Milligramm des Wirkstoffes eingenommen hatten, berichteten über eine Verbesserung der Erektionen, hingegen nur 13 Prozent der Probanden, die das Scheinmedikament bekommen hatten. Die Gesamt-Wirksamkeitsrate betrug knapp über 70 Prozent. Als arzneimittelbedingte Nebenwirkungen wurden am häufigsten Kopfschmerzen, Gesichtsrötung und eine verstopfte Nase genannt.

Ab 40 abwärts

Schätzungen zufolge liegt eine ED - die Einschränkung der Fähigkeit, eine für den Vollzug des Geschlechtsverkehrs ausreichende Erektion zu erzielen oder aufrechtzuerhalten - bei über der Hälfte aller Männer über 40 Jahren vor. Obwohl weltweit schätzungsweise 140 Millionen Männer von Impotenz betroffen sind, wird nur jeder Zwanzigste von ihnen ärztlich behandelt. Vardenafil wurde bisher schon bei rund 4.000 Männern eprobt. Die Wirksamkeitsrate wurde generell mit 85 Prozent angegeben. Bayer hat mit GlaxoSmithKline ein Co-Promotion und Entwicklungsprogramm für das Medikament abgeschlossen. (APA)

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