Geradlinige Karriere an die Spitze

3. März 2002, 19:15
posten

Der neue IBM-Chef Samuel Palmisano - Solider Nachfolger für "Big Blue"

IBM-Boss Louis Gerstner hat sich seinen Nachfolger gesucht und eine Person gefunden, die ähnlich tickt wie er. Auch für Samuel Palmisano zählen weniger Visionen denn die nacken Zahlen zum jeweiligen Quartalsende.

Palmisano tritt heute an die Spitze eines Konzerns, der wohlbestallt ist und die aktuelle Krise in der Informationstechnologie relativ unbeschadet durchsteht. Laut der jüngsten Liste des Wirtschaftsmagazins Fortune setzt IBM 88,4 Milliarden Dollar (102 Mrd. Euro) um, beschäftigt rund 320.000 Mitarbeiter, ist hoch profitabel und der achtgrößte US-Konzern.

Über Louis Gerstner sagte Intel-Chef Andy Grove einmal, dass er bei "Big Blue", wie IBM gerne genannt wird, mehr bewegt habe, als man sich vorstellen konnte: Gerstner hatte in den letzten neun Jahren aus dem Sammelsurium von Produkten und Dienstleistungen, die unter dem Dach IBMs eher glücklos verkauft wurden, einen stringenten Konzern geschaffen. Services wurden in den Vordergrund gestellt, der Verkauf von Hard- und Software resultierte daraus nur als logische Folge. Während der Umsetzung darob belächelt, versuchen mittlerweile Konkurrenten wie Hewlett-Packard und Compaq dieses dienstleistungszentrierte Konzept zu kopieren.

Kein großartiger Strategiewechsel

Der 50-jährige Palmisano, der sich viele Jahre der Mentorenschaft des 59-jährigen Gerstners erfreuen konnte, hat den Kurs Gerstners mitgetragen. So wird auch kein großartiger Strategiewechsel erwartet. Doch da auch bei Big Blue die Margen derzeit immer schmäler werden, wird angenommen, dass er rigoros nach Einsparpotenzialen forschen wird. Auch könnten Firmenaquisitionen auf der "To do"-Liste Palmisanos stehen, mit denen er Lücken im Angebotsportfolio von IBM schließen will und mit denen es leichter wird, bei Marktanteilen zuzulegen.

Der intime Kenner des Konzerns, der gleich nach Beendigung seines Studiums an der Johns Hopkins University in Baltimore bei IBM eintrat und schnell die Karriereleiter hochkletterte, ist ein flotter, bestimmter Arbeiter, der nicht lange herumfackelt. Den Spitznamen "Closer" erhielt er, weil er im Beratungsgeschäft schnell millionenschwere Verträge mit neuen Kunden abschloss.

Für die in den USA mittlerweile übliche Vermarktung der eigenen Person zum Wohle des Unternehmens, bei der CEOs zu Superstars stilisiert werden, scheint er nicht viel übrig zu haben. Weder wollte er einen Assistenten noch einen eigenen Public-Relations-Experten. Bei einem kurzen Frage-und-Antwort-Spiel anlässlich eines der vielen Interviews, die er in den letzten Tagen zu geben hatte, antwortete er nicht einmal auf so Fragen wie "Was haben Sie immer in Ihrem Kühlschrank?" oder "Was ist Ihre bevorzugte Webseite?". (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe 1.3.2002)

LINK
IBM
Share if you care.