Die Slowaken im Stimmungstief

28. Februar 2002, 20:18
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Umfrage in EU-Kandidatenländern - Ungarn am optimistischsten

Wien/Brüssel – Unter allen mittelosteuropäischen EU-Kandidatenländern herrscht in der Slowakei derzeit die schlechteste Stimmung, was die wirtschaftliche und politische Lage und die Zukunftsperspektiven betrifft. Das zeigt eine Umfrage, die im Auftrag der in Brüssel ansässigen Central European Opinion Research Group (CEORG) durchgeführt wurde.

Gefragt wurde in den Kandidatenländern Tschechische Republik, Ungarn, Polen, Slowakei, Rumänien sowie in Russland. Und zwar unter anderem nach der Einschätzung der gegenwärtigen Wirtschaftslage und nach der ökonomischen Entwicklung im kommenden Jahr sowie nach der Bewertung der gegenwärtigen Regierung. Dabei gaben die Slowaken fast durchwegs die schlechtesten Zensuren.

Mehr als 70 Prozent der Slowaken, aber auch der Polen und der Rumänen sehen die Wirtschaft ihres Landes in schlechter Verfassung. Wird sie sich bessern? Eine Mehrheit in Tschechien (43,3 Prozent), Ungarn (47,5), Polen (50,4) und Russland (49) erwartet im nächsten Jahr eine Stagnation. Aber knapp 72 Prozent der Slowaken rechnen mit einer Verschlechterung.

Die meisten Optimisten gibt es in Ungarn und Rumänien. In Ungarn glauben 31 Prozent, in Rumänien 33 Prozent, dass sich die Wirtschaftslage im nächsten Jahr bessern werde, in der Slowakei dagegen nur ganze zwei Prozent (Tschechien 23, Polen 18, Russland 24 Prozent).

Die negativste Bewertung der jeweiligen Regierung gaben ebenfalls die Slowaken ab: Fast 70 Prozent beurteilen die Arbeit des Kabinetts unter dem christdemokratischen Premier Mikulás Dzurinda ziemlich oder sehr schlecht. In allen anderen untersuchten Ländern liegt die positive Beurteilung der Regierungsarbeit leicht, in Rumänien mit mehr als 60 Prozent sogar stark über der negativen.

In Ungarn, Tschechien und der Slowakei finden heuer Parlamentswahlen statt. In den beiden ersteren Ländern lässt die Umfrage ein knappes Rennen zwischen Regierung (Tschechien: sozialdemokratisch, Ungarn: rechtsnational) und Opposition erwarten.

In der Slowakei hat die heterogene Koalition unter Premier Dzurinda dagegen einen offenbar dramatischen Vertrauensverlust erlitten. Und dies, obwohl sich die Wirtschaftslage objektiv nicht signifikant von jener in Tschechien oder Ungarn unterscheidet. Ursache dürften die immer offener aufbrechenden Differenzen in der Koalition sein. Davon profitiert der umstrittene mehrfache Expremier Vladimír Meciar: Seine Partei, die Bewegung für eine Demokratische Slowakei (HZDS), liegt in jüngsten Umfragen mit 29 Prozent unangefochten an erster Stelle. Dahinter folgt die neue Gruppierung "Smer" (Richtung) des populistischen Jungstars Róbert Fico (rund 17 Prozent) und erst an dritter Stelle eine Regierungspartei: die ungarische Koalition SMK mit knapp elf Prozent der Stimmen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.3.2002)

Von Josef Kirchengast

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www.ceorg- europe.org

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