Eine Währung - zwei Preise

1. März 2002, 19:45
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Der Euro zeigt: Bücher sind in Österreich teurer als in Deutschland

Von STANDARD-Mitarbeiterin Debora Knob

Wien - Die Aufregung unter den Buchhändlern war groß: Die Einführung der neuen Währung brachte zwei unterschiedliche Euro-Preisaufdrucke für ein und dasselbe Buch - einen niedrigeren Betrag für Deutschland und einen höheren für Österreich.

Zwar waren Bücher in Deutschland immer schon billiger als bei uns - die verschiedenen Preise kommen dadurch zustande, dass der Mehrwertsteuersatz auf Bücher hierzulande bei zehn Prozent liegt, in Deutschland jedoch nur bei sieben Prozent - mit der Einführung des Euro ist der Preisvergleich naturgemäß wesentlich einfacher. Deswegen befürchteten die Buchhändler im Vorfeld nicht nur Beschwerden und langatmige Diskussionen mit den Kunden, sondern auch Verluste in den Grenzgebieten zu Deutschland. Sie selbst dürfen zwar einen Preisnachlass von bis zu fünf Prozent gewähren, es ist ihnen allerdings nicht erlaubt, damit zu werben, weshalb der Skonto höchstens Stammkunden gegeben wird.

So wurden in den vergangenen Monaten "kreative" Ideen geboren, um die Preisangleichung zu erreichen. Vertreter des Hauptverbandes der österreichischen Buchhändler "bearbeiteten" die deutschen Verlage, um einen dreiprozentigen Rabatt zu erlangen, der den Unterschied beim Steuersatz ausgleichen würde.

Kein Rabatt

Dieser Versuch schlug ebenso fehl wie das Gesuch an den Finanzminister Karl-Heinz Grasser, den ohnehin schon gesenkten Steuersatz auf Bücher (zehn statt 20 Prozent) nochmals auf sieben Prozent zu reduzieren.

Dazu der Vizepräsident des Hauptverbandes, Erwin Riedesser: "Der Finanzminister hat uns scherzhaftes Wohlwollen entgegengebracht." Einzelne Vertreter der Branche schlugen sogar vor, die Verlagsförderung gegen die Senkung des Steuersatzes gleichsam einzutauschen. Abgesehen davon, dass sich das "Gegengeschäft" rechnerisch nicht ausgehen würde, wäre dies ein Vernichtungsschlag für viele Verlage, die das Geld zur Existenzsicherung benötigen.

Zwei Monate nach der Euroeinführung stellt sich nun heraus, dass die Aufregung bei den Kunden bei weitem nicht so groß ist, wie die Buchhändler befürchteten. Die unterschiedlichen Preise würden im Großen und Ganzen "problemlos akzeptiert", so Riedesser. Selbst in Regionen nahe der deutschen Grenze, wie etwa in Salzburg oder Tirol, gebe es kaum Beschwerden. Hoffnung auf eine Preisangleichung besteht laut dem Vizepräsidenten nicht mehr, "außer der deutsche Finanzminister erhöht nach der kommenden Bundestagswahl den Steuersatz".
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. 2. 2002)

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