Weitere zwei Güterzüge in Wien zusammengestoßen

28. Februar 2002, 11:39
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Züge waren auf dem selben Gleis unterwegs - Haltesignal missachtet - 50 Tonnen Phenolharz ausgetreten

Wien - Ein neuerlicher Zugzusammenstoß ist am Mittwoch, Abend in Wien-Simmering vergleichweise glimpflich abgelaufen:

Lokführer leicht verletzt

Ein leerer Güterzug und eine Garnitur mit gemischter Ladung waren gegen 18.00 Uhr im Bereich der Station Haidestraße auf der zweigleisigen Verbindungsstrecke zwischen dem Zentralverschiebebahnhof Kledering und Stadlau aufeinander geprallt. Die beiden Lokführer wurden in ihren Triebfahrzeugen eingeschlossen, aber eher leichter verletzt.

Haltesignal überfahren

Nach der relativ glimpflich verlaufenen Kollision zweier Güterzüge am frühen Mittwochabend in Wien-Simmering ist die Ostbahn-Verbindung wieder offen. Bei den ÖBB geht man weiterhin davon aus, dass das Überfahren eines Haltesignals Ursache des Zusammenstoßes war. Das weisen sowohl die Angaben der beiden nicht verletzten Lokführer als auch durch die Überprüfung aller Sicherungseinrichtungen hin.

Automatisches Bremssystem aktiviert

Offenbar hat der Lokführer der leeren Garnitur, die vom Zentralverschiebebahnhof Kledering Richtung Stadlau unterwegs war, das Haltesignal missachtet. Daraufhin wurde das automatische Bremssystem aktiviert. Auf dem gerade verlaufenden Streckenabschnitt bemerkte aber auch der Lokführer des entgegen kommenden Güterzugs die Gefahr und leitete seinerseits den Bremsvorgang ein.

Aufprall bei geringer Geschwindigkeit

Daher seien die beiden Garnituren im Bereich der Station Haidestraße mit relativ geringer Geschwindigkeit aufeinander geprallt, sagte der ÖBB-Sprecher. Einer der Lokführer hatte Rippenbrüche erlitten, der andere kam mit leichten Verletzungen davon.

50 Tonnen Phenolharz ausgetreten

Aus einem zerstörten Kesselwaggon traten laut Feuerwehr rund 50 Tonnen Phenolharz aus, das laut ÖBB aber keine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellt. Der Unfallhergang war am Abend unklar und Gegenstand der Ermittlungen der ÖBB-Untersuchungskommission und der Behörden. Der Sachschaden dürfte beträchtlich sein.

Züge waren auf dem selben Gleis unterwegs

Völlig ungeklärt war vorerst, warum auf der zweigleisigen Strecke beide Züge auf dem selben Gleis unterwegs gewesen waren. "Dass da ein Fehler passiert ist, ist völlig klar", sagte ein ÖBB-Sprecher. Aber man könne vorerst nicht sagen, ob das Problem im Bereich der Signalanlagen, der Lokomotiven oder bei den Lokführern zu suchen sei. Fest steht laut ÖBB, dass beide Lokführer schnell reagiert und eine Notbremsung eingeleitet haben. Dies konnte den Zusammenprall aber nicht mehr verhindern.

Bergung des zweiten Lokführers dauerte 20 bis 30 Minuten

Einer der beiden Lokführer wurde sehr schnell aus seinem Führerstand befreit, wie Feuerwehr-Einsatzleiter Hans Mucska mitteilte. Der Mann hatte nur leichte Verletzungen erlitten. Die Bergung des zweiten Lokführers dauerte 20 bis 30 Minuten, dieser erlitt mehrere Rippenbrüche. Beide Verletzten wurden in das Lorenz-Böhler-Unfallspital gebracht.

Kesselwaggon ist völlig zerstört

Bei dem Unglück wurden nicht nur beide Lokomotiven beschädigt. Der Kesselwaggon mit rund 50 Tonnen Phenolharz ist durch die Wucht des Anpralls völlig zerstört worden, die Ladung laut Feuerwehr praktisch vollständig ausgeflossen. Bei dem zweiten Zug waren zwei Waggons aus den Schienen gesprungen, sie lagen quer. Ein dritter stand leicht schief auf und über den Geleisen.

Schienenersatzverkehr

Die Bahnverbindung war in dem Bereich wegen der Aufräumarbeiten völlig unterbrochen. Zwischen Wien-Süd/Ostbahnhof und Stadlau wurde ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Zwischen Stadlau und Leopoldau verkehrten zusätzliche Garnituren. Die Schnellbahn S 80 ab Stadlau Richtung Norden hatte normalen Betrieb. Fernzüge wurden laut ÖBB innerhalb Wiens umgeleitet. Wie lange die Verbindung völlig unterbrochen war, konnte zunächst nicht gesagt werden.

Auch der Autoverkehr war von dem Zugunglück betroffen. Die Unfallstelle war großräumig abgesperrt worden. Der Verkehr über die Erdbergstraße Richtung Simmering musste zeitweise umgeleitet werden. (APA)

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