Frad: Freigestellt durch die Ministerien

1. März 2002, 13:44
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Wechselte öfter das Ressort, hatte aber stets anderes zu tun

Wien - Die aktuelle Causa Herwig Frad ist erledigt: Die Regierung findet die Lösung in Ordnung, wie etwa Kanzler Wolfgang Schüssel am Dienstag nach dem Ministerrat sagte. Frad arbeitet zu 80 Prozent im Wirtschaftsministerium, bezieht dafür 80 Prozent seines Gehalts und ist im "Nebengeschäft" Präsident des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, wo er eine Aufwandsentschädigung von 3462 Euro monatlich bezieht.

Der von Frad gewünschte Sonderurlaub wurde ihm also für den Job des Hauptverbandschef nicht genehmigt. Damit geht Frad erstmals seit langer Zeit wieder einer klassischen Beamtentätigkeit nach. In den Jahren davor war der neue Hauptverbandspräsident stets dienstfreigestellt oder auf Sonderurlaub. Der heute 61-Jährige begann 1966 als Sekretär bei bei Staatssekretär Franz Soronics. 1970 arbeitete er in der Bundesparteileitung der ÖVP.

Ab 1975 vom Dienst freigestellt

1971 begann Frad seine Laufbahn als Personalvertreter - im Sozialministerium, Sektion Volksgesundheit. Spätestens ab 1975 war Frad aller Aufgaben als Beamter entledigt und vom Dienst freigestellt. Bis 1983 war er Obmann des Zentralauschusses im Ministerium für Gesundheit und Umweltschutz. 1980 steig er in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) auch in den Vorstand auf. Das bedeutete Sonderurlaub.

Im GÖD-Vorstand war Frad bis 1995 im Referat für Öffentlichkeitsarbeit, danach im Referat für Schulung - mit Sonderurlaub. Normalerweise sind GÖD-Vorstände laut einer Abmachung aus dem Jahr 1968 freizustellen - und zwar auf dem Weg des (voll bezahlten) Sonderurlaubes.

50 Prozent Arbeit - 100 Prozent Gage

Von 1997 bis zum Februar 2000 war Frad dem Bundeskanzleramt zugeordnet, wo er formal der Gesundheitssektion angehörte. Als Gewerkschaftsfunktionär allerdings freigestellt. Zuletzt war er auf halben Sonderurlaub - er arbeitet zu 50 Prozent als Beamter des Wirtschaftsministeriums, bekam aber 100 Prozent der Gage.

Während seiner Sonderurlaube hat Frads Abteilung mehrmals das Ressort gewechselt: Zuständig war erst das Sozialministerium, dann das Gesundheits- und Umweltministerium, später das Bundeskanzleramt. Im April 2000 gelangte die Abteilung wieder ins Sozialministerium. Dort trat Frad seinen Dienst im Sonderurlaub an und wechselte als Präsident des Hauptverbandes ins Wirtschaftsministerium.

Sonderurlaube sind im GÖD-Vorstand verbreitet: Der Christgewerkschafter und Vizepräsident Wilhelm Gloss etwa ist genauso auf Sonderurlaub wie andere Vorstandsmitglieder. (eli, völ, Der STANDARD, Printausgabe 27.2.2002)

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