Ohne Kindergärten keine Kinder

26. Februar 2002, 11:53
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Kuntzl zur Geburtenzahl: Mehr Sach- statt Geldleistungen notwendig - Es fehlen 100.000 Kindergartenplätze

Wien - Die aktuelle ExpertInnendiskussion um die Möglichkeiten, die Geburtenrate zu steigern, ergebe "ein eindeutiges Versagen der derzeitigen Frauen- und Familienpolitik, die die Wünsche und Bedürfnisse junger Menschen in der Phase der Familiengründung missachtet", erklärte SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Andrea Kuntzl am Dienstag.

100.000 Kinderbetreuungsplätze fehlen

Gefragt seien in erster Linie Sachleistungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. "Wer keinen Kindergartenplatz findet, und Kind und Job nicht unter einen Hut bringen kann, entscheidet sich zumeist für die materielle Sicherheit", betonte Kuntzl.

Frankreich und skandinavische Länder Vorreiterinnen

Einhellig würden ExpertInnen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch den Ausbau von Sachleistungen präferieren, da die Beispiele aus Frankreich und den skandinavischen Ländern zeigen würden, dass eine höhere Frauenberufstätigkeit auch eine Anhebung der Geburtenzahl mit sich bringe. "Wie in Frankreich eindrucksvoll bewiesen wird, ist der Ausbau der Betreuungsplätze für die Unter-Dreijährigen der Schlüssel dazu", so Kuntzl, "aber gerade das wird vom zuständigen Minister Herbert Haupt heftigst bestritten."

Die SPÖ-Bundesgeschäftsführerin fordert daher Maßnahmen zum dringend nötigen Ausbau der Kindergartenplätze ein. "Es fehlen 100.000 Kinderbetreuungsplätze in Österreich", betonte Kuntzl. Hier habe die Regierung versagt, da die Last der Kinderbetreuung völlig auf die Eltern abgewälzt worden sei. "Während es in Frankreich ein Anrecht auf einen Betreuungsplatz gibt, werden die Eltern von der Regierung alleine gelassen. Wer nicht zufällig einen Betreuungsplatz in der Nähe hat, oder selbst ein Betreuungsprojekt initiiert, kann eben nicht berufstätig sein."

Blau-schwarz hat ein Problem mit Emanzipation

Gerade das sei aber ein entscheidendes Grundproblem der Chancenungleichheit zwischen Männern und Frauen in Österreich: Die österreichischen Frauen haben im europäischen Vergleich eine sehr lange Babypause. "Je länger die Berufsunterbrechung ist, desto schwieriger ist der Wiedereinstieg", erklärte Kuntzl und sagte abschließend: "Die blau-schwarze Regierung reagiert hysterisch auf alles, was mit Emanzipation zu tun hat - und macht damit eine Politik, die sich gegen die jungen Familien stellt",

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