"Arme" Österreicher

22. Februar 2002, 14:49
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Bei privatem Geldvermögen liegt Österreich an drittletzter Stelle in der EU - Sparbuch weiter hoch im Kurs

Brüssel - Die Österreicher kommen im Vergleich mit den Bürgern anderer Euro-Staaten auf ein relativ niedriges privates Geldvermögen. Nach einer von der EU-Kommission veröffentlichten Statistik über die finanziellen Vermögenswerte der privaten Haushalte im Jahr 2000 in neun Euro-Ländern rangiert die "Sparbuch-Nation" mit 277 Mrd. Euro an drittletzter Stelle vor Portugal (229 Mrd. Euro) und Finnland (197 Mrd. Euro). Die 277 Mrd. Euro ermitteltes Privatvermögen in Österreich entsprechen einem Anteil von 135 Prozent am Bruttoinlandsprodukt.

Am "reichsten" sind die Deutschen mit einem Privatvermögen von insgesamt 3642 Mrd. Euro, die einem Anteil von 180 Prozent am BIP entsprechen. An zweiter Stelle folgen die Franzosen mit 3.320 Mrd. Euro, an dritter Stelle die Italiener. Aber selbst die Belgier, die einen Platz vor Österreich liegen, sind mit 781 Mrd. Euro immer noch fast zweieinhalb mal so reich wie die Österreicher. Ihre privaten finanziellen Vermögenswerte übersteigen das BIP um hohe 314 Prozent.

Anteil des Bargeldes über Durchschnitt

Insgesamt beläuft sich das geschätzte Geldvermögen der privaten Haushalte in den Mitgliedstaaten der Eurozone gemäß dem "indiskreten" Einblick der EU-Statistik, der dank der Umstellung auf den Euro möglich wurde, auf über 13.000 Mrd. Euro (178.884 Mrd. S). Es ist damit etwa doppelt so hoch wie das BIP der Eurozone. Irland, Luxemburg und Griechenland müssen die entsprechenden Daten erst 2005 liefern.

Deutlich über dem Durchschnitt liegen die Österreicher zusammen mit den Spaniern beim Anteil des Bargeldes an ihrem Privatvermögen. Während er in der Eurozone insgesamt nur 2 Prozent ausmacht, sind es in Österreich 4,3 Prozent und in Spanien 4,6 Prozent. Niedrige Werte wurden in fünf Ländern ermittelt, darunter Frankreich, Belgien und Finnland. Der Wert der übertragbaren Einlagen in den neun Euro-Ländern beträgt 7,6 Prozent der finanziellen Vermögenswerte der Haushalte, in Österreich erreicht er etwa 4,2 Prozent.

Sparbuch weiterhin sehr beliebt

Die "heilige Kuh" der Österreicher, das Sparbuch, war auch 2000 hoch im Kurs. Mit 44,5 Prozent aller Anlagen in Form von Spareinlagen und Sparbriefen war Österreich einsamer Spitzenreiter, Portugal folgte an zweiter Stelle mit 32,2 Prozent. Dagegen mißtrauen die Österreicher offenbar weiterhin lukrativeren aber etwas riskanteren Anlageformen wie festverzinslichen Wertpapieren, die nur 7,4 Prozent der Haushalte hielten gegenüber 20,4 Prozent in Belgien. Etwas höher in der Gunst der Österreicher lagen Anteilsrechte wie Investmentzertifikate mit einem Anteil von 17,2 Prozent. Im Euro-Gebiet insgesamt machte diese Anlageform 37,5 Prozent aus. Lebensversicherungen und Pensionsfonds sind vor allem in den Niederlanden heiß begehrt mit einem extrem hohen Anteil von 55,6 Prozent an den finanziellen Vermögenswerten der Privathaushalte, Österreich liegt mit 20,7 Prozent etwas unter dem Eurozonen-Durchschnitt von 23,4 Prozent.(APA)

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