Schweinemastskandal-Prozess gegen bayerischen Tierarzt beginnt

21. Februar 2002, 11:54
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Millionenumatz mit illegalen Medikamenten

Regensburg/Straubing - Der Hauptverdächtige im so genannten Schweinemast-Skandal, R. F., muss sich vom kommenden Dienstag an vor einem Gericht in Regensburg verantworten. Der Veterinär ist wegen zahlreicher Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz angeklagt.

F. soll Ende der neunziger Jahre in seiner Straubinger Tierarzt-Klinik mit einem Dutzend Kollegen zusammen einen regen Medikamenten-Handel betrieben haben. Laut den Ermittlungen hat er so mindestens 2,4 Millionen Mark (1,227 Mill. Euro/16,9 Mill. S) illegal erwirtschaftet. Die Staatsanwaltschaft hat die Einziehung des Geldes beantragt.

In knapp 800 Fällen soll F. mit seinem Mitarbeitern unerlaubt mit Medikamenten Handel betrieben haben, obwohl er nur im Rahmen einer Behandlung die Arzneien an Bauern abgeben durfte. Zudem soll der 37-Jährige regelmäßig bei Schweinen Medikamente eingesetzt haben, die nur für Haus- oder andere Nutztiere zugelassen waren.

Außerdem wirft die Staatsanwaltschaft F. in der rund 200-seitigen Anklageschrift vor, Fremdpräparate umetikettiert und unter eigenem Namen verkauft zu haben. In diesem Zusammenhang soll er auch die offiziellen Präparate-Aufkleber eines Pharmakonzerns gefälscht haben. Injektionslösungen soll Fechter unter nicht sterilen Bedingungen umgefüllt haben. In einem Fall soll der Tierarzt einem Bodybuilder ein für Menschen nicht zugelassenes Doping-Mittel beschafft haben.

Die Anwälte F. haben die Anschuldigungen mehrfach zurückgewiesen. Es handle sich allenfalls um Ordnungswidrigkeiten, meinen die Verteidiger. Für andere Verstöße seien Mitarbeiter beziehungsweise Kollegen verantwortlich. Der 37-Jährige war erst vor wenigen Wochen nach fast einjähriger Untersuchungshaft aus dem Gefängnis entlassen worden. F. musste ein Kaution von 511.000 Euro (7,03 Mill. S) hinterlegen.

3.000 Landwirte wurden befragt

Für den Prozess sind zunächst bis Mitte Mai 19 Verhandlungstage angesetzt. Justiz-Experten gehen allerdings davon aus, dass der Prozess noch weit länger dauert. Es wird ein Mammut-Prozess von möglicherweise mehr als einjähriger Dauer erwartet. Für die Ermittlungen wurden alle Kunden F., rund 3.000 Landwirte, befragt.

In den vergangenen Monaten wurden vom Landgericht in Traunstein (Oberbayern) bereits zwei Veterinäre wegen massenhaften illegalen Verkaufs verschreibungspflichtiger Medikamente verurteilt. Ein 61-Jähriger muss drei Jahre in Haft, ein 76 Jahre alter Tierarzt erhielt eine eineinhalbjährige Bewährungsstrafe. (APA)

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