Mögliche Lösungen des Konflikts

20. Februar 2002, 18:46
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Von Referendum bis zu mehr Autonomie

Denkbar für den einen, undenkbar für den anderen: Folgendes liegt für Kaschmir auf dem Tisch:
[] Referendum: Von der UNO 1948 in einer Resolution verlangt, von Indien zurückgewiesen, weil Pakistan nie die UNO-Forderung erfüllte, seine Truppen aus dem PoK (Pakistan occupied Kashmir) zurückzuziehen. Gilt in Indien heute als völlig überholtes Konzept, nicht so bei den kaschmirischen Separatisten, die jedoch als Referendumsfrage nicht nur die Wahlmöglichkeit zwischen Zugehörigkeit zu Indien oder zu Pakistan, sondern auch die Option auf
[] Unabhängigkeit inkludiert haben wollen. Von Indien und Pakistan gleichermaßen abgelehnt. Indien führt - zu Recht - nicht zuletzt an, dass nicht um der sunnitisch-muslimischen Einwohner des Kaschmir-Tales willen die hinduistische Mehrheit in Jammu und die Buddhisten und Schiiten in Ladakh, dem dritten Teil von J&K, von Indien abgetrennt werden können. Trotzdem lehnt Delhi eine
[] Dreiteilung des Staates und damit des Problems in Kaschmir-Tal, Jammu und Ladakh unter anderem aus Angst vor der Präzedenzwirkung auf andere indische Staaten völlig ab, Pakistan würde das wohl passen. In Indien am ernsthaftesten diskutiert wird die Umwandlung der
[] LoC (Line of Control, Waffenstillstandslinie) aus dem Jahr 1971 in eine international anerkannte Grenze; um den Kaschmiris den Abschied von den Unabhängigkeitsträumen zu versüßen, wäre man wohl auch bereit,
[] mehr Autonomie zu gewähren, obwohl das einer BJP-Regierung in Delhi nicht leicht fallen dürfte. Tatsächlich hatte ja J&K unmittelbar nach 1947 eine größere Autonomie, sie wurde ab den 50er-Jahren systematisch ausgehöhlt. Pakistan tritt gegen die Lösung LoC plus Autonomie als rein indische Option auf - obwohl bei der Ziehung der Waffenstillstandslinie 1971 Indira Gandhi und Zulfikar Bhutto die Umwandlung in eine Grenze bereits angedacht haben sollen. (DER STANDARD, Print vom 21.2.2002)

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