UNO-Tribunal lehnt einen Zeugen der Anklage ab

20. Februar 2002, 14:18
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Russischer Ex-Premier zur Aussage im Milosevic-Prozess bereit

Den Haag/Belgrad - Im Prozess gegen den früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic haben es die Richter am Mittwoch abgelehnt, einen von der Anklage geladenen Zeugen anzuhören. Kevin Curtis, Leiter der Tribunal-Ermittler im Kosovo, könne nichts von Bedeutung für das Gericht vortragen, entschied der Gerichtsvorsitzende Richard May. Ein zweiter Mitarbeiter der Ermittlergruppe, Stephen Spargo, wurde an Stelle von Curtis zu Landkarten gehört, auf denen er die Wege von Vertriebenen im Kosovo-Krieg nach Albanien dargestellt hatte.

Milosevic will alle 1300 Zeugen ins Kreuzverhör nehmen

Milosevic protestierte heftig dagegen, dass die Anklage 1300 schriftliche Zeugenaussagen einbringen wolle. Er verlange, dass alle Zeugen im Gerichtssaal aussagen, damit er sie ins Kreuzverhör nehmen könne. Es sei die Pflicht des Gerichts nachzuweisen, dass er die Verbrechen begangen oder befohlen habe.

Der ehemalige russische Ministerpräsident Jewgenij Primakow erklärte sich unterdessen bereit, im Prozess gegen Milosevic auszusagen. "Ich bin bereit auszusagen, da der Prozess objektiv sein muss", wurde Primakow von den Belgrader Medien zitiert. Er verwies auch auf die Rolle Milosevics bei den Bosnien-Friedensverhandlungen in Dayton im Spätherbst 1995. Ohne den damaligen serbischen Präsidenten hätte es auch das Dayton-Abkommen nicht gegeben, sagte Primakow, der während der NATO-Luftangriffe im Frühjahr 1999 russischer Ministerpräsident war.

Milosevic sammelt Dokumente über Rugova

Die Belgrader Tageszeitung "Nacional" berichtet unterdessen, dass Mitarbeiter des jugoslawischen Ex-Präsidenten eine umfangreiche Dokumentensammlung über den gemäßigten Albanerführer Ibrahim Rugova angelegt haben. Rugova soll nämlich als ein weiterer Zeuge gegen Milosevic aussagen. Die Dokumentensammlung soll stenographische Aufzeichnungen der Gespräche Milosevics mit dem Führer der Demokratischen Liga des Kosovo sowie Aussagen Rugovas gegenüber den Medien enthalten. Es wird erwartet, dass Milosevics Gattin, Mira Markovic, bei ihrem nächsten Besuch in Den Haag zahlreiche Dokumente mitbringen dürfte, die Milosevic behilflich sein könnten.(APA/dpa)

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