Giftanschlag auf US-Botschaft in Rom vereitelt

20. Februar 2002, 20:53
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Vier Verdächtige festgenommen - Gift hätte keinen Schaden angerichtet

Rom - Die italienische Polizei hat offenbar einen Giftanschlag auf die US-Botschaft in Rom vereitelt. Wie ein Sprecher am Mittwoch mitteilte, wurden am Vortag vier Marokkaner festgenommen, die im Besitz einer "beträchtlichen" Menge von zyanidhaltigen Chemikalien waren. Außerdem wurde bei den zwischen 30 und 40 Jahre alten Männern ein Stadtplan von Rom gefunden, auf dem die US-Botschaft markiert war. Bei einer Razzia in der Wohnung der Marokkaner im Süden Roms fand die Polizei ferner einen Plan des Wasserversorgungsnetzes der italienischen Hauptstadt.

Die US-Botschaft blieb am Mittwoch geöffnet. Das Außenministerium in Washington hatte in jüngster Zeit wiederholt vor möglichen neuen Anschlägen auf US-Einrichtungen im In- und Ausland gewarnt. Laut Polizeiangaben wurden die Marokkaner bereits seit mehreren Tagen beschattet. Eine Spezialeinheit sei eingeschritten, nachdem sie Kenntnis von dem Zyanid-Produkt im Besitz der Männer erhalten habe. Nähere Angaben zu der fraglichen Substanz machte die Polizei nicht.

Verbindung zu Al-Kaida?

Die "Corriere della Sera" berichtete, bei den Männern seien vier Kilogramm der giftigen Chemikalie gefunden wurden - genug, um "mehrere Dutzend Menschen" zu töten. Nach Informationen der Zeitung hatte mindestens einer der Marokkaner Kontakte zu mutmaßlichen moslemischen Terroristen, die im Oktober in Mailand gefasst worden waren. Sie sollen Verbindungen zur Al-Kaida-Organisation des mutmaßlichen Drahtziehers der Anschläge vom 11. September, Osama bin Laden, gehabt haben. Die Polizei hatte am Mittwoch eine Nachrichtensperre verhängt.

Auf die Spur kam die Polizei den Marokkanern nach eigenen Angaben im Zuge von Ermittlungen über "extremistische islamische" Gruppen in Italien. Dabei waren bereits am Wochenende drei Marokkaner festgenommen worden. Bei ihnen wurden Stempel von italienischen Behörden und internationalen Institutionen gefunden.

Den Ermittlern zufolge nutzten die Al Kaida und ähnliche unter Terror-Verdacht stehende Italien bereits lange vor den Anschlägen vom 11. September als logistischen Stützpunkt. In Mailand müssen sich derzeit sieben Tunesier vor Gericht verantworten, denen Kontakte zu Bin Laden vorgeworfen werden.

Giftgehalt zu gering

Ein möglicherweise auf die US-Botschaft in Rom geplanter Giftanschlag hätte nach Angaben der italienischen Polizei kaum Schaden angerichtet. Der Giftgehalt der bei vier festgenommenen Marrokanern beschlagnahmten Chemikalie hätten nicht ausgereicht, um Gesundheitsschäden hervorzurufen, sagte der römische Polizeichef Emilio del Mese am Mittwoch. (APA)

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