Anklage will Todesstrafe für fünffache Kindsmörderin aus Houston

19. Februar 2002, 14:44
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Verteidiger spricht von schwerer Wochenbettdepression

Sie ertränkte ihre fünf Kinder in der Badewanne - nun soll sie dafür nach dem Willen der Anklage mit dem Tode bestraft werden. Andrea Y. aus Houston (US-Bundesstaat Texas) war nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zum Zeitpunkt der grausamen Tat im Juni vergangenen Jahres trotz ihrer Depressionen nicht unzurechnungsfähig und gehört deshalb hart bestraft. Das sagte Staatsanwalt Joe Owmby am Montag (Ortszeit) zum Auftakt des Aufsehen erregenden Mordprozesses in Houston.

Wochenbettdepressionen

Sie litt nach Angaben ihrer Ärzte unter einer schweren Wochenbettdepression und Psychose. Die 37-Jährige im grauen Strickkleid verfolgte die Eröffnungsplädoyers teilnahmslos. Sie steht unter dem Einfluss von Medikamenten.

Der Mord an den Kindern hatte im vergangenen Jahr Entsetzen ausgelöst. Entsprechend groß ist das Interesse der Medien am Prozess. Die Verhandlung wird von mehreren US-Fernsehsendern live übertragen. Über das Schicksal der Frau entscheiden zwölf Geschworene, acht Frauen und vier Männer, die sich auf zahlreiche Vorträge von Psychiatern einstellen müssen. Die Verteidigung will nachweisen, dass Yates zum Zeitpunkt der Morde unzurechnungsfähig war.

"Es ist keine Frage, dass Andrea Y. eine Art von Geisteskrankheit hatte, aber sie wusste, dass sie etwas Unrechtes tat", sagte Staatsanwalt Owmby. Die Texanerin habe ihre Tat geplant und bewusst ausgeführt und sei damit schuldfähig. "Sie litt nicht nur unter einer Wochenbettdepression mit Psychose", konterte Verteidiger George Parnham. "Sie war auch eine der krankesten Patientinnen, die die Psychiater, die sie untersuchten, je gesehen haben."

Andrea Y. war wegen schwerer Wochenbettdepressionen mehrfach in psychiatrischen Kliniken behandelt worden und hatte bereits zwei Selbstmordversuche hinter sich. Nachdem ihr Mann Russell am 20. Juni vergangenen Jahres zur Arbeit bei der NASA gegangen war, ertränkte sie die Kinder eines nach dem anderen in der Badewanne. Anschließend rief sie die Polizei.

Mitschuld des Ehemannes?

Noch zwei Tage vor den Morden war Andrea Y. beim Arzt gewesen, der sie als depressiv, extrem nervös und dann wieder apathisch bezeichnete. Viel ist spekuliert worden über eine Mitschuld von Ehemann Russell, der als verschlossen und manipulierend gilt. Andrea musste den Haushalt führen und auf seinen Wunsch hin die Kinder zu Hause selbst unterrichten, was in den USA erlaubt ist. Außerdem musste sie Bibelstunden nehmen.

Nur wenige Monate vor der grausigen Tat war Andrea Y. Vater nach langer Krankheit gestorben. Ihre Mutter Jutta stammt aus Deutschland. Inzwischen wurde bekannt, dass auch zwei Brüder und die Schwester von Andrea Y. wegen Geisteskrankheiten behandelt wurden.

Einfluss eines Wanderpredigers? Unklar ist auch der Einfluss des Wanderpredigers Michael W. auf Russell und Andrea. Sie gaben ihren Kindern die biblischen Namen Mary, Luke, Paul, John und Noah und hielten zu Hause Gottesdienste ab. Einer richtigen Kirche gehörten sie nicht an. Russell kaufte den Reisebus des Predigers, in dem die Familie eine Weile lebte. Dann kaufte der gut verdienende NASA-Ingenieur ein Haus. Warum er für seine so offensichtlich überlastete und depressive Ehefrau keine Hilfe organisierte, ist vielen ein Rätsel. Als Andrea Y. ihre fünf Kinder in der Badewanne ertränkt hatte, rief sie ihren Mann bei der NASA an und sagte: "Es ist Zeit. Ich habe es schließlich getan. Du kommst besser nach Hause".

Russell Y. hat seine Frau für ihre Tat nicht verurteilt, sondern verteidigt sie. "Sie ist selbst eines der Opfer. Es ist gar keine Frage, dass ich Andrea immer zur Seite stehen werde", sagte der tief religiöse NASA-Ingenieur. Die Kritik an seiner Person weist er zurück: "Ich weiß, dass ich alles in meiner Macht Stehende für die Kinder getan habe. Sie sind jetzt an einem besseren Platz, und ich werde sie eines Tages wiedersehen. Sie warten dort auf mich". (APA/dpa)

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