Enron-Managerin entlastet Ex-Chef Lay

15. Februar 2002, 16:03
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Buchhaltungschef und Zuständiger für Risikogeschäfte entlassen

Washington - Der ehemalige Enron-Chef Kenneth Lay war vor der spektakulären Pleite nach Angaben einer ranghohen Mitarbeitern nicht im Bilde über die prekäre Lage des Unternehmens. Sherron Watkins, die als einzige wenige Monate vor dem Zusammenbruch intern Alarm geschlagen hatte, belastete dagegen am Donnerstag vor einem Untersuchungsausschuss im US-Kongress den im vergangenen Sommer abrupt zurückgetretenen Enron-Chef Jeffrey Skilling.

Watkins hatte im vergangenen Sommer große Sorge wegen einiger dubioser Nebenfirmen geäußert, in denen Enron Schulden in dreistelliger Millionenhöhe versteckte. Lay ordnete daraufhin eine Untersuchung an. Die damit beauftragte Kanzlei verwarf die Bedenken jedoch. Enron beantragte nach dem Auffliegen der Bilanzmanipulationen am 2. Dezember Gläubigerschutz und ist in die größte Firmenpleite der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte verwickelt.

"Lay hat Ernst der Situation nicht verstanden"

Das verlautete Sherron Watkins, Topmanagerin des Unternehmens, am Donnerstag vor einem Untersuchungsausschuss im US- Kongress. Lay selbst hatte Anfang der Woche vor dem Ausschuss die Aussage verweigert, um sich nicht selbst zu belasten. Gegen das Unternehmen und seine Manager laufen mehrere Strafverfahren.

Skilling, der seinen Job im Sommer nach nur sechs Monaten überraschend aufgab, hatte dem Ausschuss vergangene Woche versichert, er habe von den dubiosen Geschäften der Partnerschaften nichts gewusst. Nach einer Einschätzung dieser Aussage gefragt zitierte Watkins aus einem Interview, das Skilling der Hauszeitung einmal gegeben hatte: "Wenn es keinen Sinn macht, glaube es nicht."

Im Zusammenhang mit der hausinternen Untersuchung des Zusammenbruchs entließ Enron am Donnerstag zwei Manager fristlos. Richard Causey war Chef der Buchhaltung, Richard Buy zuständig für Risikogeschäfte. Beiden wird vorgeworfen, die Geschäfte der dubiosen Partnerschaften, an denen sich mehrere Enron-Manager persönlich bereichert haben sollen, nicht genügend beaufsichtigt zu haben. (APA/dpa)

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