Vorsicht, Infektionsgefahr!

14. Februar 2002, 13:17
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Umberto Eco über Berlusconi: Er betrachtet Politik wie eine "Werbefirma" und das könnte ansteckend sein

Paris - Der italienische Starautor Umberto Eco ist der Ansicht, dass Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi die Politik wie eine "Werbefirma" betrachte, und dass "die Gefahr einer Ansteckung" Frankreichs und Deutschlands bestehe. Berlusconi "kümmert sich erfolgreich um seine Interessen. Das Problem ist, dass es 50 Prozent der Italiener sind, die es ihm erlauben, das zu machen (...)", erklärte Eco in der am Donnerstag erschienenen Ausgabe des französischen Wochenmagazins "Le Nouvel Observateur".

Die heftigsten Berlusconi-Kritiker

Eco, der gegenwärtig die französische Ausgabe seines Romans "Baudolino" vorstellt, zählt mit Autoren wie Alessandro Baricco, Vincenzo Consolo und Andrea Camilleri zu den heftigsten Kritikern des italienischen Ministerpräsidenten. Baricco und Consolo kritisieren Berlusconi gemeinsam mit zahlreichen anderen Autoren in einem Buch des Journalisten Fabio Gambaro, das gerade in der französischen Übersetzung "L'Italie par ses ecrivains" erschienen ist.

Man muss einen kühlen Kopf behalten

"Diese Art, die Politik wie eine Werbefirma zu betrachten, ist ein Problem, das den ganzen Westen betrifft", erklärte Eco und fügte hinzu: "Aber warten wir ab, dass diese Erfahrung ihre Schädlichkeit zeigt. Man muss vor allem vermeiden, von Faschismus zu reden und man muss einen kühlen Kopf behalten. Die Techniken der Regierung des Herrn Berlusconi sind derartige Faustschläge, dass man einen umso verrückteren Eindruck macht, je mehr man sie kritisiert. Dieser Mann gibt jedem von uns täglich eine Gelegenheit, sich zu entrüsten. Dadurch werden der Protest und die Rage letztendlich abgeschwächt."

Polemik um Berlusconis Anwesenheit beim Pariser Buchsalon

Der 70-jährige Eco zählt gemeinsam mit weiteren 60 Schriftstellern zu den Gästen des Pariser Buchsalons (22.-27.03), dessen Ehrengastland heuer Italien ist. Um Berlusconis Anwesenheit bei der Eröffnung des Salons ist jüngst eine Polemik ausgebrochen. Frankreichs Kulturministerin Catherine Tasca (PS) und eine Reihe französischer Verleger haben sich gegen Berlusconis Präsenz ausgesprochen. Camilleri erklärte gegenüber der Tageszeitung "Le Monde", dass er gegen Ende der Veranstaltung kommen wolle, um "sehr unangenehme Begegnungen" zu vermeiden. Berlusconi ließ die Frage bisher offen, ob er zu der Eröffnung kommen wird. (APA)

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