Das Meer als Fischkiller

11. Februar 2002, 20:33
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Schwefelwasserstoff vor Namibia - "so großflächig wie nirgendwo sonst in den Weltmeeren"

Lüderitz/Kapstadt/Wien - Ein bisschen nach faulen Eiern stinkt es immer wieder an der namibischen Atlantikküste. Aber da die Landschaft über Hunderte Kilometer aus spektakulärer, aber unbewohnter Wüste besteht, hat das über Jahrhunderte niemanden gekümmert. Bis jetzt, da die Regierung die Ozeanographin Scarla Weeks von der Uni Kapstadt mit einer Studie des Phänomens beauftragt hat, das mit dem Tod von Millionen Fischen zusammenhängt. Der Grund stand für Weeks bald fest: Schwefelwasserstoff. "Die höchste Konzentration überhaupt - und so großflächig wie nirgendwo sonst in den Weltmeeren", sagt die Forscherin zum STANDARD.

Diese Erkenntnis verdankt sie neuen Aufnahmen der Küste zwischen Lüderitz und Walvis Bay mittels Satellit (namens OrbView-2 Sea WiFS, siehe Webtipp). Darauf zu sehen: schubweise, grüne Verschmutzungen - und keineswegs lokal begrenzt, wie angenommen, sondern über eine riesige Meeresfläche: "800 Kilometer lang, bis zu 75 Kilometer breit und 20 Meter tief bildet sich eine Art Schlammschicht aus Phytoplankton, das über die Nahrungskette nicht aufgenommen werden kann", berichtet Weeks. Weitere Folgen: Methanausgasung statt Sauerstoff, keinerlei Leben im Wasser; Hummer gehen scharenweise an Land. Eine Katastrophe für die Fischerei der ehemaligen deutschen Kolonie. Aber die Verschmutzung stammt nicht vom Menschen.

"Denn", erklärt Weeks das Phänomen, "wir haben hier den weltweit stärksten Auftrieb von Tiefenwasser aufgrund starker Winde vom Land." Die Folge: Plankton kommt massenhaft hoch. Was den Schub letztlich auslöst, ist noch ungeklärt. "Aber wir haben den Verdacht", sagt Weeks, "dass Veränderungen im Meereshaushalt anderswo die Häufigkeit erhöhen könnten." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12. 2. 2002)

Von Roland Schönbauer

SeaWiFS Project

Vgl. auch "Nature", Vol. 485, S. 493
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