Übersetzung per Handschuh

11. Februar 2002, 20:06
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"Spracherkennung" für Menschen, die sich mit Gebärdensprache ausdrücken

Wien - Künftige Computergenerationen, so viele Voraussagen, werden mit Spracherkennung zu bedienen sein. Für gehörlose Menschen, die sich zum Sprechen der Gebärdensprache bedienen, kann diese Funktion ein elektronischer Handschuh erfüllen. Zusammen mit einem Sprachsynthesizer, wie er auch von dem Astrophysiker Stephen Hawking verwendet wird, können die Handbewegungen auch in gesprochene Sprache umgesetzt werden.

Diese Erfindung entwickelte der 18-jährige US-Schüler Ryan Patterson, der vor wenigen Tagen dafür mit einem Stipendium im Wert von 103.000 Dollar (118.000 EURO/1,6 Mio. S) der Siemens Westinghouse Science and Technology Competition prämiert wurde. Bereits 2001 erhielt er eine Auszeichnung bei der Intel-International-Science-and-Engineering-Messe.

Die Idee soll Patterson, der selbst keine Hör- oder Sprachbehinderung hat, nach eigener Erzählung gekommen sein, als er einer Gruppe gehörloser Menschen beim Bestellen bei Burger King zusah: Sie bestellten, indem sie ihrem Gebärdendolmetsch ihre Wünsche signalisierten, dieser übersetzte für die Kassiererin hinter der Theke.

Diese Beobachtung und eine Mitschülerin an seiner Highschool in Grand Junction, Colorado, die am Unterricht mit Hilfe eines Gebärdendolmetsch teilnimmt, inspirierte Patterson, den Gebärdenhandschuh aus einem Golfhandschuh und elektronischen Bauteilen zu entwickeln. Sensoren erkennen die Fingerbewegungen der amerikanischen Gebärdensprache und verwandeln sie in Schrift auf einem Bildschirm. Patterson, der nach Angaben der New York Times schon mit fünf Jahren sein erstes elektronisches Modell bastelte, stellte die Entwicklung auf einer örtlichen Wissenschaftsmesse aus. Seither hat er den Gebärdenhandschuh mit Funk zur Übertragung der Daten auf ein Display weiterentwickelt.

Zehn Sensoren im Handschuh "fühlen" die Bewegungen der Finger, während Software aufgrund des Abstands zwischen Finger und Hand errechnet, welche Buchstaben oder Wörter jeweils gemeint sind. Ähnlich wie bei akustischer Spracherkennung "erlernt" die Software die individuelle "Aussprache" des jeweiligen Benutzers, also seine leicht unterschiedlichen Bewegungen bei der Gebärde.

Für die Technologie wurde Patterson ein vorläufiges Patent erteilt. Demnächst will das US-Gesundheitsinstitut (National Institute of Health) mit Patterson eine kommerzielle Entwicklung der Erfindung klären. Derzeit sind die Fähigkeiten des Gebärdenhandschuhs im Wesentlichen auf das Buchstabieren beschränkt; Gebärdensprache kann jedoch ganze Wörter und Satzteile durch Bewegungen ausdrücken, was eine weitere Entwicklung erfordert. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12. 2. 2002)

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