Nick Leeson: Bankenwelt weiter fahrlässig

8. Februar 2002, 10:00
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Ex-Börsenmakler: Betrugsfall bei AIB zeigt, dass in Banken weiter "Inkompetenz" herrscht

London/Dublin - Die Bankenwelt hat nach Ansicht des ehemaligen britischen Börsenmaklers Nick Leeson, dessen betrügerische Geschäfte 1995 den Zusammenbruch der britischen Bank Barings zur Folge hatten, nichts dazugelernt. In einem BBC-Interview sagte Leeson am Donnerstag, der Betrugsfall um die irische Allied Irish Bank (AIB) zeige, dass in der Bankenwelt immer noch "Inkompetenz und Fahrlässigkeit" an der Tagesordnung seien.

Die AIB hatte am Mittwoch bekannt gegeben, dass der Devisenhändler John Rusnak die amerikanische AIB-Tochter Allfirst Financial Inc. in Baltimore (Maryland) vermutlich um 750 Mill. Dollar (864 Mill. Euro/11,89 Mrd. S) betrogen habe. Er wird nach einem Bericht der BBC inzwischen vom FBI verhört.

Leeson sagte, der einzige Unterschied zu seinem Börsenbetrug in Höhe von 850 Mill. Pfund (1,390 Mrd. Euro/19,1 Mrd. S) sei, dass die irische Bank den Schaden vermutlich überstehen könne. Wie er, sei auch Rusnak von "relativer Obskurität zum Starhändler" aufgestiegen, sagte Leeson. Er habe dann immer mehr Risiken auf sich genommen und schließlich die Kontrolle verloren. Die Frage sei, warum er nicht vom Management gestoppt worden sei, sagte Leeson der BBC. (APA/dpa)

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