Grüße von daheim

14. Februar 2002, 12:23
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RONDO fragte AuslandsösterreicherInnen, welche Dinge aus dem früheren Alltag sie in ihrem neuen Umfeld vermissen

Wasser und Brot

Vor eineinhalb Jahren packten Hedi und Markus Doloszeski Unmengen von Windeln und Babykost für ihre damals acht Monate alte Tochter ein. "Das hat den Großteil unseres Shipments nach Pakistan ausgemacht", erinnert sich der OMV-Verfahrenstechniker. Auf Lebensmittel wie Joghurt, Schwarzbrot und natürlich Leberkäse musste die Familie in Islamabad verzichten. Eine "besondere Entbehrung" bedeutete das Fehlen von frischem Wasser. Beim ersten Urlaub in Wien war "das Schönste das Wasser, das einfach aus der Leitung kommt". Vor einigen Wochen übersiedelte die Familie neuerlich und genießt nun wieder Bewegungsfreiheit und Essen ohne Angst vor Durchfall - im australischen Perth.

Sehnsucht nach Sandelholz

Des Studiums wegen übersiedelte Sabine Altmann nach Mailand, aus einem Studium wurden zwei - Kommunikation und anschließend Politikwissenschaften -, aus ein paar Jahren mittlerweile zwölf. Was Mode und Design betrifft, ist die nunmehrige Pressesprecherin der Schuhfirma Tod's wunschlos glücklich. Nicht ganz so zufrieden stellend ist die Versorgung mit Süßem. Und so wird der Koffer bei Wien-Besuchen mit Marillenmarmelade und Müslikuchen vom Naschmarkt aufgefüllt, dazwischen findet sich auch immer noch Platz für ätherische Öle, vor allem Bergamott und Sandelholz. Die vielen schönen Blumengeschäfte, "die mir am meisten fehlen, lassen sich leider so schlecht einpacken".

Limonaden-Lieferungen

Die Versorgung in Paris mit den schönen Dingen des Lebens gilt ja gemeinhin als gesichert. Österreichischen Ansprüchen wird die Stadt allerdings nicht in jeder Hinsicht gerecht. Lea, 7, lebt seit 2000 in Paris und weil es mit dem Heimgehen nach Wien erst in ein paar Jahren wieder was wird, müssen Besucher Almdudler in möglichst großen Mengen einfliegen. Mutter Marion Gratt wird Limonaden-Zufuhr nach erfolgter Lieferung verwehrt: "Du kannst ja auch Wein trinken." Die OECD-Mitarbeiterin vermisst ohnehin mehr Schinkenspeck und Schweinsbraten. Ein anfänglicher Mangel konnte mittlerweile behoben werden: Ein Manner Schnitten führendes Geschäft wurde aufgespürt.

Schuhe für Florida

Vergangenen Sommer ließ Gabriele Orbell Wien und sein Wetter hinter sich und ging mit ihrer Familie nach Palm Beach. Zur Freude des neun Monate alten Jeffrey werden seither Fenchel- und Melissentee von Wien geliefert, weil "die Babynahrung hier nicht so vielfältig ist". Abgesehen von wehmütigen Erinnerungen an Melange, Wiener Schnitzel, Manner Schnitten (Angebot und Nachfrage klaffen international wirklich weit auseinander), Friseur Wallmeier und Mamas Apfelstrudel wird Gabi Orbell von keinerlei Heimweh geplagt. Nur das Problem mit Kleinkinderschuhen ist noch nicht gelöst. Es gibt fast nur Turnschuhe, manchmal sind Sandalen aufzutreiben - als European shoes und um 75 USD.

Ober Franz serviert

Seit ein paar Jahren sei die österreichische Küche zwar sehr in in Berlin, erzählt Michael Traxler, und Schnitzel und Kaiserschmarren schmeckten in den einschlägigen Restaurants "fast wie zu Hause", die Preise seien allerdings astronomisch. Vor elf Jahren kam der Angestellte von Wien nach Berlin. Viel vermisst er nicht, vor allem seit Österreich in der EU ist, "bekommt man fast alles, auch guten Wein". Selbst Wiener Kaffee, allerdings nur in Geschäften, daher gehören Kaffeehausbesuche bei Urlauben in Wien zu den dringlichsten Wegen. Wirklich erfolglos blieb der 35-Jährige bislang nur mit seiner Suche nach Burenwürsten und Käsekrainern, die werden von Besuchern aus Wien eingeflogen.

Ein Inländer für Nottingham

Vor mehr als 45 Jahren wanderte Viktoria Krywinskyj nach Großbritannien aus. Sie ließ sich mit ihrem Mann in Robin Hoods Heimat nieder und sehnt sich immer noch nach Packerln aus Österreich, und zwar besonders solche von Maggi und Knorr, am liebsten mit Grießnockerln und Leberknödeln. Tochter Vera liefert diese Pakete bei ihren Besuchen in Nottingham dann ins Haus, zwischen den Fertigsuppen liegt meist noch ein Sauerteigbrot - meist ein Gewürzbrot -, Gulasch fix, echtes Paprika-Gewürz, einige Packungen Manner Schnitten und eine Kranzlextra (vakuumverpackt). Ah ja und natürlich noch eine Flasche Inländer-Rum, für Herrn Krywinskyj. (Der Standard | Rondo)

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