Kirch soll sich "gesundschrumpfen"

6. Februar 2002, 13:32
posten

... und Anteile am Springer-Verlag und an der Formel 1 verkaufen - Bundesregierung favorisiert eine "nationale Lösung"

Die KirchGruppe nimmt keine Stellung zu Spekulationen über eine Auffanglösung für die hoch verschuldete Mediengruppe. "Das kommentieren wir nicht", sagte ein Kirch-Sprecher in München. Die "Süddeutsche Zeitung" (Mittwochausgabe) berichtete, in der Politik, bei den Banken und in der Medienbranche werde eine Auffanglösung für die Gruppe vorbereitet.

"Gesundschrumpfen"

Ziel sei die Abwehr des anglo-amerikanischen Medienmoguls Rupert Murdoch, spekulierte die Zeitung. Dazu solle die KirchGruppe ihre Anteile am Springer-Verlag und an der Formel 1 verkaufen und sich so "gesundschrumpfen". Die Bundesregierung favorisiere eine "nationale Lösung". Bisher scheitere sie aber am Widerstand Kirchs.

Abwehr des Medienmoguls Murdoch sei das Ziel

Die Bedenken gegen Murdoch beziehen sich dem Bericht zufolge auf dessen Geschäftsmethoden. Murdoch habe seine Zeitungen in England mit Preiskriegen gegen andere Verlage nach oben gebracht und benutze eigene Blätter wie die britische "Sun", um Einfluss auf Wahlen zu nehmen. Nun dränge er auch in die KirchGruppe und damit in Kernbereiche des deutschen Medienmarkts. Murdoch kann im Herbst seine Beteiligung am Pay TV-Sender Premiere an Kirch zurückgeben und dafür etwa 1,5 Mrd. Euro (20,6 Mrd. S) zurückverlangen. Da es Kirch nach Einschätzung in der Branche schwer fallen dürfte, dies zu finanzieren, könnte Murdoch auf diesem Weg mehr Einfluss auf die KirchGruppe gewinnen.

In den vergangenen Tagen hatte insbesondere die Deutsche Bank den Druck auf die KirchGruppe erhöht. Vorstandssprecher Rolf Breuer sagte, es sei unwahrscheinlich, dass die Großbanken Kirch neues Geld geben werden. In der Finanzbranche gilt diese öffentliche Aussage als sehr ungewöhnlich, da Banken ihre Kreditbeziehungen normalerweise nicht öffentlich kommentieren. (APA)

Share if you care.