Peking geht gegen Untergrund-Kirchen vor

5. Februar 2002, 15:54
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Anführer von christlicher Freikirche zu sieben Jahren Haft verurteilt

Peking/Hongkong - Ein Gericht in der Volksrepublik China hat drei Männer zu jeweils sieben Jahren Haft verurteilt, die eine verbotene christliche Gruppierung geführt haben sollen. Sie sollen illegal in der südostchinesischen Küstenprovinz Fujian (Fukien) die "Heilig-Geist-Reformkirche" gegründet haben, berichteten staatliche Medien am Dienstag in Peking. Huang Aiping, Li Minglong und Ji Qingjun wurde im Prozess vorgeworfen, mit ihrer Religion "die Durchführung des Gesetzes zu sabotieren". Die Angeklagten hätten in Xianmen etwa 40 Anhänger gewonnen und Treffpunkte organisiert.

Bei einer Razzia im Hause eines Angeklagten hatte die Polizei Bücher, Videos und Tonbänder beschlagnahmt. Zuvor hatte ein Gericht einen Geschäftsmann aus Hongkong zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil er 30 000 Bibeln ins Land geschmuggelt hatte. Christliche Untergrund-Kirchen sollen in China nach verschiedenen Schätzungen 40 Millionen Mitglieder haben. Staats- und Parteichef Jiang Zemin hatte in einer in den Rang einer Parteirichtlinie erhobenen Grundsatzrede vor dem Zentralkomitee der KP "konterrevolutionäre und kriminelle" Kräfte beschuldigt, die "Glaubensfreiheit zu missbrauchen". Die "Gefährdung der Sicherheitsinteressen des Staates unter dem Deckmantel der Religion" würde keinesfalls geduldet. Massiv sind die Behörden auch gegen die ursprünglich vom Regime geförderte Sekte Falun Gong vorgegangen.

Nach Geheimunterlagen der Regierung in Peking aus dem Jahr 1995 wenden sich immer mehr Jugendliche der Religion zu. Demnach soll die Zahl der Katholiken zwölf Millionen betragen. Nach amtlichen Statistiken gibt es in der Volksrepublik 100 Millionen Buddhisten, 20 Millionen Moslems - tatsächlich dürften es mindestens 60 Millionen sein - und jeweils vier Millionen katholische und protestantische Christen. Für die Katholiken ist nur die so genannte "patriotische" Hierarchie zugelassen, die seit 1957 vom Vatikan getrennt ist. Die papsttreue Untergrundkirche wird als "subversive Organisation" verfolgt. (APA/dpa)

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