FAO-Konferenz in Kairo : Afrika auf der Suche nach Wegen aus der Aids-Falle

5. Februar 2002, 15:32
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Kairo - Die Immunschwächekrankheit und ihre Auswirkungen: Den katastrophalen Folgen von Aids auf die afrikanische Landwirtschaft widmet sich derzeit eine Regionalkonferenz der UNO-Ernährungsorganisation (FAO) für Afrika in Kairo (4. bis 6. Februar). Welches Ausmaß die Seuche in dem Kontinent bereits angenommen hat, zeigen die Zahlen. Weltweit sind rund 36 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert, etwa 25 Millionen Betroffene - also rund 70 Prozent - leben in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

Am stärksten von HIV betroffen sind Menschen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren. Für Länder mit einer Infektionsrate in dieser Altersgruppe von 20 bis 36 Prozent wie etwa Äthiopien, Kenia, Namibia, Botswana, die Republik Zentralafrika oder Südafrika fällt damit ein beträchtlicher Teil der wirtschaftlich produktivsten Bevölkerungsschicht weg. Die Folgen auf die Wirtschaft sind fatal.

Das gilt auch für andere wichtige Bereiche der Gesellschaft: So starben etwa 1998 in Sambia rund 1.800 Lehrer an Aids. Das entspricht etwa zwei Drittel aller Lehrer, die dort jährlich ausgebildet werden. Allgemein - so die FAO in einer Aussendung - herrscht Einigkeit darüber, dass Information und Bildung die effektivsten Waffen gegen Aids sind. Lehrer sollten dabei eine integrale Rolle spielen. Wenn sie aber selbst Opfer der Immunschwächekrankheit werden, ist eine Tragödie fast unausweichlich.

Oft ist Aids in den ländlichen Regionen Afrikas bereits ein größeres Problem als in den Städten. In vielen Gebieten verödet bereits ohnehin knappes Agrarland, weil niemand in der Lage ist, es zu bestellen. Mit der rasant schnelleren Generationenfolge geht auch landwirtschaftliches Know-How verloren.

Schon jetzt zeigen Studien, dass nur sieben Prozent der landwirtschaftlichen Haushalte, die von Aids-Waisen geführt werden, über ausreichendes landwirtschaftliches Wissen verfügen. Die Nahrungsversorgung von Millionen Afrikanern ist damit gefährdet.

Geschätzte sieben Millionen Agrararbeiter südlich der Sahara sind bereits an Aids gestorben. Bis zum Jahr 2020 könnten allein in den schwer betroffenen Ländern weitere 20 Millionen weitere Opfer folgen. Das würde einen Rückgang der Zahl der verfügbaren Agrararbeiter um rund 25 Prozent bedeuten. Damit droht der faktische Zusammenbruch der afrikanischen Landwirtschaft.

Aber die Infektionsraten sind nicht gleich unter den Geschlechtern verteilt. Frauen sind von Aids weitaus schlimmer betroffen als Männer. So waren im Jahr 2000 zwischen 32 und 43 Prozent aller schwangeren Frauen in Swaziland HIV-positiv. Besonders hoch ist das Risiko für Frauen, deren Ehemänner als Fremdarbeiter oder Lastwagenfahrer unterwegs sind.

Dazu kommen aber auch soziale Komponenten: Zum Beispiel sind in vielen Ländern Afrikas Frauen, deren Männer an Aids gestorben sind, nicht erbberechtigt. Sie sind dazu gezwungen, als Prostituierte zu arbeiten.

Auswege aus dieser Situation werden derzeit von 52 afrikanischem Mitgliedsstaaten der FAO (UN-Food and Agriculture Organization) diskutiert. In diesem Zusammenhang stehen Themen wie Land- und Wasser-Ressourcen, Nahrungsabsicherung, Fischerei, die Rolle der Geschlechter im Wirtschaftsleben und das Aufrechterhalten der Agrar-Entwicklung auf der Tagesordnung. Außerdem wollen Experten die Schaffung eines gemeinsamen afrikanischen Agrarmarktes überprüfen. Damit könnten neue Möglichkeiten für einen breiteren innnerafrikanischen Handel geschaffen werden. (APA)

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