Auch Umweltdachverband für Stopp des Deals

5. Februar 2002, 14:41
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Heilingbrunner befürchtet "größten Ausverkauf" der Zweiten Republik

Wien - Einen Stopp der geplanten Wasserkraft-Ehe zwischen dem Verbund und dem deutschen Energiekonzern E.ON forderte heute der Umweltdachverband. Es handle sich dabei um den "größten Ausverkauf in Zweiten Republik", so Umweltdachverbands-Präsident Gerhard Heilingbrunner am Dienstag in einer Pressekonferenz. Der Verbund bringe in die geplante gemeinsame Wasserkrafttochter European Hydro Power (EHP) 76 Prozent der Produktion oder rund 26.000 GWh ein, die E.ON nur 24 Prozent oder rund 9.000 GWh.

Die E.ON könne aber Strom im Ausmaß ihrer gesellschaftsrechlichen Anteile an der EHP im Ausmaß von 37 Prozent beziehen, also rund 13.000 GWh. Sollte die E.ON ihre Option auf eine Auftstockung der EHP-Anteile auf 49 ausüben, könne sie sogar rund 17.000 GWh beziehen und damit ihr Ökostromangebot für ihre Kunden deutlich erhöhen. Der Verbund gebe damit die Verfügungsgewalt über nahzu ein Drittel der jährlichen Stromerzeugung aus Wasserkraft in in die Hand der E.ON, die damit wiederum rund 8.000 GWh mehr "Ökostrom" bekommen könne als sie einbringe.

Staat hat viele Milliarden investiert

Allein in den vergangen 20 Jahren seien 120 Mrd. S (8,7 Mrd. Euro) in den Ausbau der Wasserkraft investiert worden. Zudem hätten die Österreicher die E-Wirtschaft, vor allem den Verbund, seit 1945 über hohe Strompreise subventioniert, so Heilingbrunner. Zudem habe es Unterstützungen durch die Republik Österreich - von Schleusen an der Donau bis zu Investitionsfreibeträgen - gegeben. Nun solle der Deal ohne vermögenrechtliche und volkswirtschaftliche Bewertung über die Bühne gehen, kritisiert der Umweltdachverband. Die Wasserkraftwerke repräsentierten eine Wert von rund 400 Mrd. S.

Weiters werde der E.ON Einstimmigkeit in allen grundsätzlichen Fragen der Geschäftspolitik zugesichert. Der Verbund mache sich damit vom "Goodwill" der E.ON-Konzernleitung in Düsseldorf abhängig, so Heilingbrunner.

"Zwickmühle" wegen Kyoto

Österreich bringe sich durch den Deal auch bezüglich des Kyoto-Ziels in die "Zwickmühle". nach Prognosen des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) werde der heimische Stromverbrauch bis 2010 um 1,6 Prozent oder 900 GWh jährlich steigen, das entspreche rund jenen 8.000 GWh Strom aus Wasserkraft, den die E.ON zusätzlich erhalten soll. Um diese Menge "Kyoto konform" ausgleichen zu könne, müsste Österreich laut Umweltdachverband jährlich zusätzliche Anreizfinanzierungen in Höhe von 90 Mill. Euro im Bereich der erneuerbaren Energien tätigen. Da man davon ausgehen könne, dass diese Vorgabe in der verbleibenden Zeit nicht erfüllbar sein werde, bleibe Österreich nur mehr die Wahl zwischen höherer Inlandproduktion in thermischen Kraftwerken oder Atomstromimporten. Der Verbund unterstütze somit den "Atomkonzern" E.ON bei der Erreichung seiner Klimaschutzziele.

Der Umweltdachverband erwarte nun von der Regierung einen klaren Auftrag, diesen Deal nicht abzuschließen und eine Österreich-Lösung herbeizuführen. Von den Landeshauptleuten erwarte man, dass das "Schattenboxen" aufhöre und an einer Österreich-Lösung gearbeitet werde, die im Frühjahr abgeschlossen werde. "Mir fällt kein positives Argument für diesen Deal ein", fordert Heilingbrunner einen Stopp des Verbund/E.ON-Deals.(APA)

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