Israel: Iran rüstet Hisbollah weiter auf

4. Februar 2002, 13:17
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Peres: Libanesische Miliz erhielt 8000 Katjuscha-Raketen

Jerusalem/Washington - Israel beschuldigt den Iran, die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah weiter aufzurüsten. Außenminister und Vizepremier Shimon Peres erklärte in einem am Montag von der "Herald Tribune" veröffentlichten Interview, der Iran habe die Hisbollah in den vergangenen Monaten mit 8000 Katjuscha-Raketen versorgt, die israelische Städte treffen könnten.

Nach Beiruter Presseberichten finanziert der Iran die Hisbollah mit zehn Millionen US-Dollar monatlich. Ende Dezember hatte der iranische Vize-Außenminister Mohammad Sadr dem libanesischen Staatspräsidenten Lahoud eine Botschaft von Präsident Mohammad Khatami überbracht und erklärt, die Hisbollah bleibe "bis zum vollständigen Ende der israelischen Okkupation" bewaffnet. Er bezog sich damit auf die umstrittenen so genannten Shebaa-Ländereien im Dreiländereck Israel-Libanon-Syrien.

Die libanesische Regierung hat die Terrorismus-Vorwürfe von US-Präsident George W. Bush gegen die Schiiten-Organisation zurückgewiesen. Es müsse zwischen Terrorismus und Widerstand unterschieden werden, sagte Außenminister Mahmoud Hammoud. Die Hisbollah-Führung erklärte ihrerseits, sie lasse sich durch Bushs Drohungen nicht einschüchtern. Diese seien darauf ausgerichtet, "die Völker zu terrorisieren". Bush solle wissen, dass seine "mit den Zionisten koordinierten" Drohungen die Hisbollah nicht daran hindern würden, "die Besatzungsmacht mit aller Entschlossenheit zu bekämpfen und die mutige Intifada des palästinensischen Volkes zu unterstützen", erklärte die Führung der pro-iranische Schiiten-Organisation.

Auf der von der Europäischen Union erstellten Liste von Organisationen mit terroristischen Aktivitäten scheint die Hisbollah nicht auf. Die Regierung in Beirut hatte die Forderung der USA nach einem Einfrieren von Hisbollah-Konten abgelehnt. Äußerungen des US-Botschafters Vincent Battle über die Hisbollah hatten zu einer schweren Verstimmung im Verhältnis zwischen dem Libanon und den USA geführt. Staatspräsident Lahoud hatte sich zu einer offiziellen Klarstellung veranlasst gesehen, dass die Hisbollah, die im Parlament über eine eigene Abgeordnetenfraktion verfügt, keine terroristisch ausgerichtete Organisation sei. Battle hatte die Aussagen des christlich-maronitischen Präsidenten als "nicht überzeugend" zurückgewiesen.

Gegründet wurde die Hisbollah 1982 nach dem israelischen Einmarsch im Libanon im Auftrag des Teheraner Revolutionsregimes von Ayatollah Khomeini, um den "Kampf gegen die Zionisten aufzunehmen". Sie wurde zur dominierenden politischen und militärischen Kraft des schiitischen Bevölkerungsteils im Libanon. (APA)

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