Wiener Börse "entfilzen"

1. Februar 2002, 20:30
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Ex-OMV-Chef Richard Schenz soll als Kapitalmarktbeauftragter der Regierung das angekratzte Image der Wiener Börse aufpolieren

Wien - Mit Jahresanfang hat der Finanzminister mit Richard Schenz einen Beauftragten für den Kapitalmarkt aus dem Ärmel gezogen. Dem früheren OMV-Chef trauen die meisten Finanzmarktakteure zu, dass es an der Wiener Börse bald wie geschmiert läuft. Als sein Ziel nennt Schenz, "die Transparenz zu steigern und den Filz zu beseitigen".

Dazu gehören beispielsweise neue Regeln gegen Insidertrading. Der Wiener Aktienmarkt hat wegen der sehr engen Verflechtungen zwischen Banken und Börsenakteuren den Ruf als Insiderbörse. Um dieses Image loszuwerden, will Schenz mithilfe des Finanzministers die Corporate Governance verbessern und Regeln gegen den Insiderhandel schaffen, die auch international herzeigbar sind.

Maßnahmen-Mix

Dem ehemaligen Topmanager schwebt ein Mix aus Maßnahmen vor. "Einerseits Umschichtungen und rechtliche Änderungen, die das Budget nicht kosten, andererseits aber auch steuerliche Förderungen für Börseninvestments". Dazu gehöre, die derzeit unterschiedliche steuerrechtliche Behandlung von Fremd- und Eigenkapital genau unter die Lupe nehmen, vor allem die Absetzbarkeit von Zinsen. Aber durch die neue Eigenkapitalregelung (Basel II) sei es für Unternehmen ohnehin nicht mehr so günstig, sich über Kredite zu finanzieren. Damit könnten vor allem mittlere und kleinere Unternehmen dazu verführt und verlockt werden, an die Börse zu gehen. Denn die Finanzierung über den Kapitalmarkt werde dadurch günstiger. Eine Studie von Boston Consulting beweise, dass im Schnitt börsenotierte Unternehmen besser abschneiden als nicht notierte. Allein: Wollen müssten die Betriebe natürlich auch selbst.

Schenz sieht einen weiteren Mangel: Österreich sei international Schlusslicht beim Anteil von Nichtkreditfinanzierungen. Abhilfe könnte die Abfertigung neu schaffen, die Milliardenbeträge in den Kapitalmarkt fließen lassen könnte. Man müsse die Fonds der heimischen Banken dazu bringen, in Wien zu investieren. Derzeit haben sie lediglich 1,5 Prozent am Heimmarkt investiert. (este, rose, DER STANDARD, Printausgabe 2.2.2002)

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