Sex und die Staatsgewalt im Blaulichtmilieu

31. Jänner 2002, 21:45
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Erste Konsequenzen für nackt posierende Grazer Polizisten

Graz/Wien - Nackerte Polizistenpopscherln und behaarte Beamtenbrüste kommen in der Generaldirektion für die Öffentliche Sicherheit nicht so gut an. Zumindest nicht im "exklusiv-exekutiv"-Kalender abgelichtet und schon gar nicht in Kombination mit Gewehren, Handschellen, Schlagstöcken und barbusigen Frauen in lasziven Posen.

Fotoshooting ging voll in die Hosen

So gesehen ging das erotische Fotoshooting zwecks Enthüllung staatsgewaltiger Intimitäten vorerst für zehn Mitglieder des Grazer "Mobilen Einsatzkommandos" voll in die Hosen: Die freizügigen Herren können sich ihre geplante Ausbildung zu Spezialkräften der Sondereinheit "Cobra" sonst wohin stecken. Ob das Innenministerium scharf auf ein weiteres Nachspiel ist, etwa Disziplinarverfahren, sei noch nicht entschieden, ließ Donnerstag die Behörde wissen. Auch reize es das Aufsichtsorgan, die Vorgesetzten der Entkleidete als Mitverantwortliche für diese Anzüglichkeiten zu belangen. Man werde sich die Sache genau ansehen. In Graz versteht man Wien nicht mehr, hält man das Ganze für aufgeblasen und überzogen.

Blaulichtmilieu

Das Vorspiel: Sex sells, dachte sich ein steirischer Unternehmer, umso mehr, wenn er aus dem Blaulichtmilieu kommt. Den Gesetzeshütern war bald Lust gemacht, die Dienststelle gab sich aber zickig. Der Erotikproduzent wandte sich ans Ministerium, als er von dort keine Absage erhielt, wertete er dies als Zusage. Flugs flogen die Uniformen, schnell schossen die Fotografen. 350.000 Kalender waren produziert, etliche Tausend schon verscherbelt, als sich zwei Models der frivolen Truppe von den nackten Tatsachen übermannt fühlten: Kein Mitspracherecht bei der Fotoauswahl, obwohl vereinbart - sie erkannten sich wieder, das könnte auch anderen passieren. Anzeige. Vorerst ist der Verkauf untersagt.

Da bisherige Agenden der Einsatzkommandos künftig von der Cobra übernommen werden, müsse für die Stripper ein "anderes Aufgabengebiet" gefunden werden, ließ das Ministerium wissen. (fei, DER STANDARD Print-Ausgabe 1.2.2002)

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