Im Kosmos der Selbstausbeutung

31. Jänner 2002, 19:04
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Zu geringe Subventionen drohen das Bregenzer Theater "Kosmos" von der Hinterbühne "hinter die Bühne" rutschen zu lassen

Bregenz - Fünf Jahre habe das Bregenzer Theater "Kosmos" demonstriert, wie man mit zeitgenössischen Stücken, hervorragenden Schauspielern und einer anspruchsvollen Ausstattung erfahrene Theaterbesucher begeistern und zugleich neues Pulikum gewinnen kann. Mit beinahe 100-prozentiger Auslastung, Mut zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen und einem interessanten Rahmenprogramm gelte das Privattheater als Vorzeigeprojekt über Vorarlberg hinaus. Der öffentlichen Anerkennung folgten aber keine entsprechenden Taten, kündigten am Donnerstag, die Leiter Augustin Jagg und Hubert Dragaschnig das drohende "Kosmos"-Ende an.

Spielplan-Halbierungen

Wegen zu geringer Subventionen müsse der geplante Spielplan für heuer halbiert werden, bedauerten Jagg und Dragaschnig. Aufgeführt werden noch das neue Michael Köhlmeier-Stück "Nestor" und das Auftragswerk "Krupp oder das ewige Leben" des in Wien lebenden Autors Erwin Riess. Andere geplante Stücke könnten nun nicht realisiert werden.

"Erträgliches Ausmaß an Selbstausbeutung"

Seit Gründung im Jahr 1996 hat das Theater "Kosmos" auf der Hinterbühne des Bregenzer Festspielhauses 18 Produktionen realisiert, darunter zahlreiche Uraufführungen und österreichische Erstaufführungen. Die Leiter betonten, das Theater "Kosmos" habe seine Finanzpläne mit einem Eigenfinanzierungsanteil von 20 bis 30 Prozent stets eingehalten. Das Theater habe aber nie so viel Subvention erhalten, "dass das Ausmaß an Selbstausbeutung in einem erträglichen Rahmen geblieben wäre".

".. davon ausgehen, dass der politische Wille fehlt"

Im laufenden Budget von 677.000 Euro (9,3 Mill. S) war kalkuliert, dass von den Subventionsgebern Stadt Bregenz, Land Vorarlberg und Bund 545.000 Euro getragen werden. Die bis Anfang dieser Woche eingelangten Zusagen machten aber nur 305.000 Euro aus. "Das bedeutet, dass das vorgesehene Konzept nicht realisierbar ist", sie müssten davon ausgehen, so die Theatergründer Jagg und Dragschnig, "dass der politische Wille fehlt, das Projekt im erforderlichen Ausmaß zu unterstützen". (APA)

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